Petra Janßen: "Wechselbeschwerden? Weglächeln ist keine Strategie"
Kreislaufprobleme, Hitzewallungen, Schlaflosigkeit: Mit 47 holten die Wechseljahre die Marketingexpertin ein. Wie sie pragmatisch ihren Weg gefunden hat.
5 vor 60 – oder 55 Jahre Erfahrung mit jungem Geist und der Energie einer 35-Jährigen: Das bin ich heute. Als Salzburgerin im Berchtesgadener Land bin ich Grenzgängerin und pendle seit Jahren zwischen Ländern, Unternehmen, Kunden, auch international.
Als Marketing- & Kommunikations-Expertin sind meine Tätigkeiten entsprechend vielseitig und breit gefächert von Tourismus, Kultur, Tierschutz, Bau-/Tech-Industrie, Konsumgüter. Mein Einfühlungsvermögen für Land und Leute ebenso. Meine Ausdauer ist die eines Duracell-Männchens. Bloß für meine inneren Grenzgänge fehlte mir das Verständnis.
Diagnose: Deine Hormone sind im Keller
Mit 47 traten plötzlich körperliche Veränderungen auf und wollten mich ausbremsen: Kreislaufprobleme, Hitzewallungen, hoher Puls, Herzrasen.
Für jemanden, der immer gesund, fit und leistungsfähig war, sehr ungewohnt. Wer mich kennt, weiß, dass ich pragmatisch an Themen herangehe. Vorsorge statt Nachsorge ist meine Devise.
Also habe ich die Symptome zunächst eingeordnet, medizinisch abgeklärt und weitergemacht. Blut- und Sauerstoffwerte sowie EKGs waren unauffällig; Entwarnung seitens der Ärzte. Das war zwar beruhigend – aber nicht zufriedenstellend.
Erst ein späterer Hormontest bei meiner Freundin und Gynäkologin brachte Klarheit: Deine Hormone sind im Keller, sagte sie. Willkommen Wechseljahre, dachte ich.
Schließlich reif für bioidente Hormone
Mit dem Wissen konnte ich die Situation besser einordnen und habe zunächst ohne Hormone weitergemacht. Erst mit 53 und extremen Jahren im Wechselbad zwischen heiß und kalt war klar: Weglächeln ist keine Strategie mehr.
Wenn in Meetings die Hitze plötzlich in den Körper schießt und das Gesicht wie eine rote Ampel leuchtet, ist das mehr als nur unangenehm. Am Thema Wechseljahre hatte ich bis dahin weder Interesse noch bedeutendes Wissen. Da ich immer jung, dynamisch und gesund war, gehörte es nicht in mein Repertoire.
Meine Mutter litt nicht unter Wechselsymptomen, manche Freundinnen auch nicht oder nur leicht. Lediglich von meiner Schwiegermutter kannte ich Schweißattacken, die sie aber still ertragen hatte. Da muss man durch, war ihr Lebensmotto. Ich wollte da auch durch und war schließlich reif für bioidente Hormone.
Nach vierwöchiger Einnahme von Östrogen und Progesteron spürte ich eine deutliche Verbesserung. Die Hitzewallungen wurden weniger, der allgemeine Gefühlszustand besser. Ich nehme sie noch heute. Perfekt, Problem gelöst. Fast. Aber warum einfach, wenn es facettenreicher geht?
Der frühe Vogel und das neue Hüftgold
Plötzlich lag ich schlaflos – nicht in Seattle, sondern in meinem Bett – und ging geistig spazieren, gefühlt die halbe Nacht. Bei solch arbeitsreichen Nächten wundert es nicht, dass Frau morgens nicht wie ein Turnschuh aus dem Bett springt. Nein, ich habe mich nochmal umgedreht und meine Routinen entsprechend angepasst, die frühmorgendlichen Sportaktivitäten nach hinten verlegt. (Anmerkung: Meine Söhne sind aus dem Haus, ich lebe allein und kann meine Zeit flexibel gestalten. Das ist in diesem Fall ein klarer Vorteil – auch für mein Umfeld.)
Und weiter geht es (lachend): Kaum waren sechs Jahre Kreislaufprobleme und Hitzewallungen vorbei, kam mit 54 der Stoffwechsel ins Spiel. Der wollte nicht mehr so eifrig wie zuvor. Wer, wie ich, in München gelebt hat, weiß, was Stau am Mittleren Ring bedeutet. Da geht nichts mehr weiter. Hüftgold lässt grüßen.
Während ich meine innere Mitte gesucht habe, ging meine äußere Körpermitte verloren. Seitdem steuere ich bewusster gegen: mit regelmäßigem Krafttraining zum Muskelaufbau, Ausdauerbewegung in der Natur, Pilates und mehr. Das ergänze ich durch regelmäßig frisches Kochen, ausreichend Regeneration und bewussten Umgang mit Zeit und Energie.
Weniger Input und Dauerrauschen, mehr echte Begegnungen mit Familie, Freunden und positiven Menschen. Projekte, die Sinn stiften, haben Priorität – alles andere wird hinterfragt. In einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist. Das ist mein klares Setup für Leistungsfähigkeit.
5 vor 12? 5 vor 60 und kein bisschen leise
Mein Learning: Wer sich selbst gut wahrnimmt, reflektiert und Änderung akzeptiert, kann (sich) gezielter steuern und andere mitnehmen. Ich habe mich ausgetauscht, viele Perspektiven gehört und dann meine Entscheidung getroffen – eine, die zu mir passt und die ich bis heute trage. Mein Rat: Lass dir nichts einreden und nichts aufschwatzen, finde deinen eigenen Weg.
Und: Mit zunehmendem Alter kommen glücklicherweise nicht nur Beschwerden daher, sondern auch Erfahrungen, die uns tragen und stärken: Nichts Schlechtes, ohne etwas Gutes. Sich mitzuteilen – ohne zu jammern – hilft, wenn die Symptome offensichtlich und unangenehm sind.
Das nimmt Druck und schafft Verständnis. Und schließlich sind wir damit nicht allein. Machen wir etwas daraus: leben, lieben, lernen und gemeinsam lachen. Meine Energie ist unverändert da. Ich bin nicht leiser geworden – nur klarer, fokussierter, effizienter. Und genau so möchte ich die nächsten 35 Jahre die Welt erobern, im Job wie privat.
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