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Nina Grygoriew: „Ich wollte wieder schlafen und mich selbst verstehen"

Mit 47 erlebt Nina Grygoriew überraschend die Wechseljahre und findet Klarheit, einen neuen Beruf und sich selbst neu.

Vor den Wechseljahren war ich ehrlich gesagt ziemlich ahnungslos. Ich wusste natürlich, dass diese Phase irgendwann kommt, hatte sie aber gedanklich weit in die Zukunft verschoben – irgendwann nach 50. Ich war beruflich voll eingespannt, habe viel gearbeitet, viel Sport gemacht, war viel unterwegs, und gesundheitlich ging es mir gut. Es gab keinen Anlass, mich näher damit zu beschäftigen.

Der Anfang kam dann völlig unerwartet. Ich war 47, als ich einen Brief von meiner Gynäkologin bekam. Ein Laborbefund, auf dem am Rand stand: beginnende Wechseljahre. Ich war schockiert. Mein erster Gedanke war: Jetzt bist du offiziell alt. Gleichzeitig war da sofort diese Unsicherheit: Was bedeutet das eigentlich? Was passiert jetzt?

Dann wurde mir langsam klar, dass längst etwas im Gange war. Ich schlief schon seit Monaten schlecht, hatte häufig starke Kopfschmerzen. Kurz nach diesem Brief kamen Hitzewallungen dazu. Ich saß teilweise im Unterhemd im Kino, weil ich es nicht ausgehalten habe. Unterstützung bekam ich kaum: ein pflanzliches Mittel und der Satz, da müsse ich jetzt durch.

Im Laufe der Jahre kamen weitere Symptome dazu: trockene, juckende Haut, Scheidentrockenheit, dadurch öfter Schmerzen beim Sex und Stimmungsschwankungen – vor allem Wut und Ungeduld. Was mich am meisten getroffen hat, war die nachlassende Leistungsfähigkeit: Mein Körper braucht seit einigen Jahren einfach länger zur Regeneration, Schlafmangel hat direkte Auswirkungen, und meine Konzentration ist an manchen Tagen auch nicht mehr dieselbe wie früher.

Vom Kontrollverlust zur Neuorientierung in den Wechseljahren

Geschämt habe ich mich trotzdem nie für die Wechseljahre. Ich bin grundsätzlich ein offener Mensch. Schon früher bin ich offen mit Themen wie Angststörung und Depression umgegangen. Ich glaube, Dinge verändern sich nur, wenn man darüber spricht. In meinem beruflichen und privaten Umfeld war das auch möglich – ich weiß aber, dass das nicht überall so ist.

Ein wirklicher Wendepunkt war, dass ich aus meiner eigenen Erfahrung etwas Neues gemacht habe. Nachdem ich gemerkt habe, wie wenig Unterstützung es gibt, habe ich angefangen, mich intensiv zu informieren. Ich habe gelesen, gelernt, mich fortgebildet. Irgendwann war klar: Ich will das ändern.
Ich habe die Hamburger Kommunikationsagentur, für die ich 13 Jahre gearbeitet habe, verlassen und meine eigene Beratung für Wechseljahre und Frauengesundheit, www.be-moxie.de, gegründet. Auch, weil sich in den letzten Jahren mein Blick auf Arbeit verändert hat. Ich habe meinen Job immer gern gemacht, aber plötzlich fehlte mir der Sinn. Ich wollte etwas tun, das wirklich etwas bewirkt. Heute arbeite ich mit Frauen in den Wechseljahren – und genau dort finde ich diesen Sinn. Wenn nur eine Frau gestärkt aus einem meiner Workshops geht, ist das für mich alles.

Mit den körperlichen Beschwerden bin ich sehr pragmatisch umgegangen. Ich habe mich für eine Hormontherapie entschieden, weil ich wieder schlafen wollte, mich leistungsfähig fühlen wollte – und weil ich die gesundheitlichen Vorteile nutzen möchte. Dabei achte ich sehr auf Vorsorge – meine Mutter und meine Tante sind beide an Brustkrebs erkrankt.

Die seelische Seite war schwieriger. Diese plötzlichen Gefühlsausbrüche, die Wut, die Tränen – so kannte ich mich gar nicht. Auch die Ängste, die wieder auftauchten, vor allem Existenzängste haben mich eine Zeit lang sehr beschäftigt. Die Selbstständigkeit hat sicher ihren Teil dazu beigetragen, aber ich bin überzeugt, dass die Wechseljahre das verstärkt haben.

Was mir geholfen hat, ist Akzeptanz. Zu verstehen, dass ich mich verändert habe – und dass das in Ordnung ist. Freundlicher mit mir selbst zu sein. Mich nicht ständig zu bewerten und mir zuzugestehen, dass ich nicht immer alles perfekt managen muss.

Gelassener durch die Wechseljahre: Ein neuer Blick auf diese Lebensphase

Heute, mit 55, geht es mir gut. Mein Schlaf ist nach wie vor ein Thema, aber körperlich ist vieles stabil. Ich habe alles durchchecken lassen, und bis auf einen Prädiabetes, mit dem meine Hausärztin mich vor einigen Wochen überrascht hat, ist alles in Ordnung.

Mental bin ich ruhiger geworden. Gelassener. Es ist mir zunehmend egal geworden, was andere denken, und ich kann sagen: Ich finde mich gut so, wie ich bin. Ich spreche offen über die Wechseljahre, weil Wissen so entscheidend ist. Frauen müssen verstehen, was in ihrem Körper passiert. Diese Phase hat enorme Auswirkungen auf die Gesundheit.

Ich sehe aber auch die strukturelle Dimension: Es ist kein individuelles Problem, wenn Frauen nicht schlafen und trotzdem funktionieren sollen oder wenn sie im Gesundheitssystem nicht ernst genommen werden. Außerdem hilft es zu wissen, dass man nicht allein ist. Die Erfahrungen sind unterschiedlich, aber die Verunsicherung, die Fragen, die Neuorientierung – die teilen wir alle.

Und vielleicht ist das auch das Schöne an dieser Zeit. Sie zwingt einen dazu, innezuhalten und zu fragen, was wirklich wichtig ist: Was darf bleiben – und was kann gehen? Wie möchte ich die nächsten Jahre leben?

Genau darum geht es auch in meinem Buch „Ausflippen. Anleitung für einen Ausnahmezustand“, das ich geschrieben habe. Ich hoffe, dass ich Frauen damit dabei unterstützen kann, genau diese Fragen für sich zu beantworten und zu erkennen, dass es okay ist, auch mal nicht okay zu sein.

Ich glaube nicht, dass am Ende der Wechseljahre immer die eine große Veränderung stehen muss. Es reicht, wenn man die Frau ist, die man sein möchte. Natürlich gibt es Momente, in denen ich das Älterwerden schwierig finde – wenn der Körper schmerzt oder die Energie fehlt. Aber jünger sein möchte ich nicht mehr. Dafür schätze ich meine Lebenserfahrung viel zu sehr.

Wenn ich meinem jüngeren Ich etwas sagen könnte, dann das: Mach immer das, was sich für dich richtig anfühlt. Nicht das, was andere für richtig halten.

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