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Neustart in der Lebensmitte

Marion Nachtwey: „Warum muss eine Frau mit 50 noch aussehen wie 30?"

Die Wechseljahre? Erstaunlich unspektakulär. Das Älterwerden? Kein Grund zur Panik. Marion Nachtwey über Gelassenheit, Jugendwahn und ihren Neustart mit 50.

Hand aufs Herz: Mein Leben war vor den Wechseljahren genauso schön wie es danach nun ist. Ich habe diesem „Umstand“ nie besonders viel Bedeutung beigemessen. Ja, ich weiß: Das ist Glückssache. Ich gehöre offenbar zu jenem Drittel der Frauen, die den hormonellen Wandel kaum spüren oder zumindest nicht als besonders belastend empfinden. Gesundheit ist für mich ohnehin nicht erst in der Lebensmitte entscheidend. Aber natürlich verändert sich mit dem Älterwerden der Blick auf den eigenen Körper. Je wohler man sich in seiner Haut fühlt, desto besser kann man mit dem Alter und einem sich verändernden Körper umgehen.

Interessanterweise habe ich die Pubertät damals viel beängstigender erlebt als die Wechseljahre. Meine erste Regelblutung war eine Katastrophe. In den 1980er-Jahren wurde darüber genauso wenig gesprochen wie über viele andere sogenannte Frauenthemen. Vieles musste man einfach mit sich selbst ausmachen.

Meine Haltung: Auch das geht vorbei!

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Wann die Wechseljahre bei mir genau begonnen haben? Vermutlich irgendwann Mitte 40, vielleicht auch schon früher. Wirklich bemerkt habe ich sie erst, als meine Periode unregelmäßiger wurde und die ersten Wallungen kamen. Die waren lästig, aber nicht dramatisch. Auch geschlafen habe ich nicht besonders gut. Meine Haltung war trotzdem immer: Auch das geht vorbei. Heute könnte ich nicht einmal mehr genau sagen, wann das alles angefangen und wie lange es gedauert hat.

Entsprechend überschaubar war damals auch mein Interesse am Thema Wechseljahre. Ab und zu hat man sich mit einer Freundin darüber ausgetauscht, das war?s. Auch mein Mann hat, glaube ich, nicht besonders unter meinen Wechseljahren „gelitten“. Ich war weder zickig noch deprimiert. Ich bin grundsätzlich eher eine Frohnatur und versuche, die Dinge positiv zu sehen. Und wenn wir schon bei den positiven Seiten sind: Das Schönste an den Wechseljahren, genauer gesagt an der Menopause, ist für mich ganz eindeutig, endlich keine Periode mehr zu haben. Meine war zwar nie besonders schlimm, aber sie hat dennoch wehgetan, und dieses monatliche Unwohlsein braucht man nun wirklich nicht zu vermissen.

Hormonstatus: Ich wollte es schwarz auf weiß

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Ganz ignoriert habe ich die körperliche Veränderung allerdings nicht. Ich habe bei meinem Gynäkologen einen Hormonstatus machen lassen. Ich habe Dinge gerne schwarz auf weiß – typisch Jungfrau! Danach wusste ich, wo ich stand. Mein Arzt hat mich bei den jährlichen Kontrollen immer wieder gefragt, ob ich Hormone nehmen möchte. Wollte ich nicht, weil ich sie schlicht und einfach nicht gebraucht habe. Dass ich ablehnte, hat ihn ziemlich erstaunt.

Auch beruflich habe ich aus den Wechseljahren nie ein großes Thema gemacht. Ich bin schließlich nicht mit einem Schild herumgelaufen, auf dem „Ich bin im Wechsel“ stand. Ich glaube deshalb auch nicht, dass mein Umfeld besonders viel davon mitbekommen hat. Und wenn mir einmal heiß war, habe ich eben das Fenster aufgemacht und kalte Luft hereingelassen. Blöde Reaktionen von Kolleginnen oder Kollegen? Daran kann ich mich nicht erinnern.

Realistische Role-Models: Frau bleibt Frau

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Aber natürlich macht man sich so seine Gedanken. Warum sollte eine Frau nach dem Ende ihrer Gebärfähigkeit plötzlich weniger Frau sein? Eine Frau sollte immer als Frau wahrgenommen werden. Stressig wird es dann, wenn man mit aller Kraft als ewig junge Schönheit wahrgenommen werden möchte. Wenn eine Frau bewundert wird, heißt es noch immer gerne: „Du siehst immer noch aus wie 30, wie machst du das?“ oder: „Du hast die Figur eines jungen Mädchens!“ Aber warum muss das eigentlich der Maßstab sein? Und meistens stimmt es ohnehin nicht.

Wenn Stars wie Demi Moore, Madonna oder Jennifer Lopez es mit allen Mitteln tatsächlich schaffen, diesem Bild nahezukommen, sind sie für mich keine realistischen Role Models. Sie sind Ausnahmen – und Showbusiness ist eben Showbusiness. Ich glaube allerdings, dass sich die Community der Frauen über 50 und über 60 heute viel stärker formiert und damit auch den Weg für die nächste Generation ebnet.

Ü50 am Arbeitsmarkt? Wir müssen umdenken!

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Gleichzeitig erleben wir aber einen großen Widerspruch: Während wir darüber sprechen, länger zu arbeiten, werden Frauen – und natürlich auch Männer – ab einem gewissen Alter auf dem Arbeitsmarkt häufig ausgemustert. Sie gelten als zu teuer, ihre Erfahrung scheint plötzlich nichts mehr wert zu sein.

Und da stellt sich für mich eine politische Frage: Wir wissen, dass unser Pensionssystem aus vielen Gründen unter Druck steht. Aber wenn es für ältere Menschen keine Jobs gibt, ist der Vorschlag, das Pensionsantrittsalter in Österreich zu erhöhen, wenig sinnvoll. Gleichzeitig müssen auch junge Menschen motiviert werden, arbeiten zu gehen, sich in den Arbeitsprozess einzugliedern und damit ihren Beitrag zur Staatskasse zu leisten. Das Ganze kann nur funktionieren, wenn alle Generationen ihren Platz haben und ihren Beitrag leisten können.

Später Traum erfüllt: Mit 50 vor die TV-Kamera

Vielleicht sehe ich das Thema Alter auch deshalb so entspannt, weil ich nie das Gefühl hatte, mit 40 oder 50 müsse plötzlich ein komplett neues Ich entstehen. Ich wusste immer ziemlich genau, wo ich hinwill: eine liebevolle Ehe führen und beruflich das machen, was ich gut kann und gerne mache. Und ausgerechnet einen meiner großen beruflichen Träume habe ich mir relativ spät erfüllt: Mit 50 kam das Fernsehen.

Ich bin seit rund 40 Jahren in den Medien, und in meiner journalistischen Laufbahn sind Frauenthemen zum Glück immer sichtbarer geworden. Deshalb spreche ich auch offen darüber. Wenn ich etwas dazu beitragen kann, mache ich das sehr gerne. Jede bisschen Information ist besser als gar keine. Gleichzeitig hat sich unglaublich viel verändert: Durch Magazine, Bücher, Podcasts und Plattformen wie Wechselweise.net sind Themen, über die früher kaum gesprochen wurde, in der Gesellschaft heute wesentlich präsenter.

Genuss gehört für mich dazu

Heute geht es mir – mit meinem Jahrgang 1969 – sehr gut. Ich versuche, mich halbwegs gut zu ernähren und mich zu bewegen – obwohl oder vielleicht gerade, weil ich ein großer Genussmensch bin. Eine komplizierte Geheimformel habe ich nicht. Für mich geht es darum, nicht übergewichtig zu werden und in Bewegung zu bleiben. Und damit meine ich nicht nur körperliche Bewegung, sondern genauso die geistige.

Mindestens ebenso wichtig sind soziale Kontakte. Mein Mann und ich haben einen langjährigen, wunderbaren Freundeskreis – echte Freunde und echte Freundinnen. Gleichzeitig sind wir noch immer neugierig auf neue Menschen, die uns begegnen. Mein Mann spielt dabei eine große Rolle. Andere Länder und Geschmäcker entdecken, das Meer rauschen hören, am Strand ein Buch lesen, Sehenswürdigkeiten bestaunen, gemeinsam die Welt erobern, das erfüllt mich sehr. Dazu kommen meine anderen großen Leidenschaften: Musik in fast allen Spielarten, von Oper über Schlager und Musical bis zu Sommerhits und Weihnachtsliedern. Und natürlich der Adel, mit dem ich mich auch beruflich intensiv beschäftige.

Die eigene Endlichkeit: Bewusster leben

Wenn ich gefragt werde, was sich durch die Wechseljahre und das Älterwerden verändert hat, lautet meine Antwort deshalb: Erfreulich wenig. Was sich verändert, ist vielleicht der Blick auf die Zeit. Je älter man wird, desto bewusster wird einem langsam die eigene Endlichkeit. Und gerade deshalb sollte man das Leben, so gut es geht, noch bewusster leben.

Altwerden ist für mich nicht schlimm, solange man gesund und geistig vital ist. Natürlich können wir nicht alles steuern. Kriege, Umweltkatastrophen, Krankheiten oder Verluste liegen nicht in unserer Hand. Umso wichtiger ist mir das, was wir beeinflussen können. Dazu gehört für mich auch eine gewisse Wertschätzung von all dem Positiven, das mich umgibt. Ich bin dankbar für meine liebevolle Ehe und dafür, beruflich das tun zu können, was ich gut kann und gerne mache. Und diese Dankbarkeit denke ich nicht nur – ich spreche sie auch oft laut aus. Dankbarkeit ist wichtig, auch wenn sie manchmal nicht so leichtfällt.

Allen Frauen, die in den Wechseljahren mit Beschwerden, ihrem Gewicht oder anderen Veränderungen kämpfen, wünsche ich daher vor allem Geduld. Irgendwann wird bestimmt wieder alles gut. Und ich wünsche ihnen den Austausch mit Gleichgesinnten. Heute muss niemand mehr allein durch diese Lebensphase. Es gibt Selbsthilfegruppen und immer mehr versierte Ärztinnen und Ärzte. Man muss nicht mehr leiden.

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