Studien zeigen: Der Darm gerät in den Wechseljahren häufig aus dem Gleichgewicht. Hormonschwankungen, Veränderungen im Beckenboden und Lebensstilfaktoren können zu Verstopfung (medizinisch: Obstipation) beitragen.
Wie häufig Verdauungsprobleme in den Wechseljahren sind
%CONTENT-AD%
Wie weit verbreitet solche Beschwerden sind, zeigt eine britische Studie, die auf der aktuellen Jahrestagung der Menopause Society vorgestellt wurde. Das Forschungsteam um den Ernährungswissenschaftler Nigel Denby untersuchte knapp 600 Frauen im Alter zwischen 44 und 73 Jahren.
Die Ergebnisse:
- 94 Prozent berichteten über mindestens ein Verdauungssymptom
- 77 Prozent litten unter Blähungen
- 54 Prozent unter Verstopfung
- 50 Prozent unter Bauchschmerzen
- 49 Prozent unter Sodbrennen oder Reflux
82 Prozent gaben an, dass ihre Verdauungsprobleme erst mit den Wechseljahren auftraten oder sich deutlich verschlechterten. Trotzdem hatte nur etwa ein Drittel eine Diagnose. Die Forschenden sehen darin einen Hinweis, dass Verdauungsprobleme in den Wechseljahren häufig übersehen werden. Betroffene bringen Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen oder Verstopfung oftmals nicht mit hormonellen Veränderungen in Verbindung, sondern führen diese etwa auf Ernährung, Stress oder den Alterungsprozesszurück. Gleichzeitig werden Magen-Darm-Symptome in ärztlichen Gesprächen zu den Wechseljahren bislang nicht immer gezielt thematisiert. Das kann dazu führen, dass Frauen mit ihren Beschwerden zwar leben, aber keine klare Diagnose oder Behandlung erhalten, so das Studienteam.
Wie Hormone den Darm beeinflussen - und welche Rolle der Beckenboden spielt
%MEDIUM-RECTANGLES%
Während der Wechseljahre sinken die Spiegel vonÖstrogen und Progesteron. Diese Hormone beeinflussen auch die Darmbewegung. Wenn sich der Hormonhaushalt verändert, kann sich auch die Geschwindigkeit verändern, mit der Nahrung durch den Darm transportiert wird. Der Stuhl bleibt dann länger im Dickdarm, verliert mehr Wasser und wird fester. Die Folge: Der Stuhlgang wird seltener, anstrengender oder unvollständig. Viele Frauen bemerken deshalb erstmals in der Lebensmitte eine trägere Verdauung oder häufiger auftretende Verstopfung.
Neben hormonellen Veränderungen spielt auch der Beckenboden eine zentrale Rolle. Diese Muskelgruppe unterstützt Blase, Gebärmutter und Darm. Ist sie geschwächt oder schlechtkoordiniert, kann die Darmentleerung erschwert sein. Fachleute sprechen dann von einer sogenannten Beckenboden-bedingten Verstopfung. Dass solche Probleme relativ häufig sind, zeigt eine große US-Bevölkerungsstudie der Gynäkologin Ingrid Nygaard: In der Untersuchung berichtete fast jede vierte Frau über eine Beckenbodenstörung, zu denen auch Schwierigkeiten bei der Darmentleerung gehören. Besonders häufig traten diese Beschwerden bei Frauen über 50 Jahren auf – also in dem Lebensabschnitt, in dem viele Frauen in die Wechseljahre kommen.
Typische Anzeichen:
- starkes Pressen
- das Gefühl, den Darm nicht vollständig entleeren zu können
- häufige Toilettengänge mit wenig Erfolg
Hormonelle Veränderungen können diese Probleme zusätzlich verstärken. Östrogen sorgt dafür, dass Gewebe elastisch bleibt und gut durchblutet wird. Wenn der Hormonspiegel abnimmt, können Muskeln und Bindegewebe im Beckenbereich an Spannkraft verlieren. Dadurch verändert sich auch die Funktion des Beckenbodens, der eine wichtige Rolle bei der Darmentleerung spielt. Wenn diese Muskulatur nicht mehr optimal zusammenarbeitet, kann es schwieriger werden, den Darm vollständig zu entleeren – selbst wenn der Stuhlgang eigentlich ausgelöst wird. In solchen Fällen kann eine gezielte physiotherapeutische Behandlung helfen. Spezielle Übungen stärken die Beckenbodenmuskulatur und verbessern ihre Koordination, sodass der Stuhlgang wieder leichter erfolgen kann.
Was konkret gegen Verstopfung in den Wechseljahren hilft
%EVENT%
Auch wenn hormonelle Veränderungen nicht vermeidbar sind, lässt sich der Darm gezielt unterstützen. Ballaststoffe erhöhen
Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Obst, Gemüse oder Hülsenfrüchte sorgen für mehr Volumen im Darm und fördern die Darmbewegung. Auch Leinsamen oder Chiasamen können hilfreich sein, weil sie Wasser binden und den Stuhl weicher machen.
- Ausreichend trinken
Flüssigkeit ist entscheidend für eine funktionierende Verdauung. Zu wenig Flüssigkeit macht den Stuhl hart.Regelmäßige Bewegung
Körperliche Aktivität stimuliert die Darmmuskulatur. Schon moderate Bewegung wie tägliche Spaziergänge, Radfahren oder Yoga kann helfen, die Darmtätigkeit anzuregen. - Routinen für den Darm schaffen
Der Darm reagiert positiv auf regelmäßige Abläufe. Mahlzeiten zu festen Zeiten, ein ballaststoffreiches Frühstück oder ein Glas Wasser am Morgen können helfen, den natürlichen Darmreflex zu aktivieren. Wichtig ist auch, den Drang zum Toilettengang nicht zu unterdrücken. - Probiotische Lebensmittel
Fermentierte Produkte wie Joghurt, Kefir oder Sauerkraut unterstützen die Darmflora. Eine ausgewogene Darmflora kann wiederum die Verdauung stabilisieren. - Stress reduzieren
Stress bremst die Verdauung. Entspannungstechniken, Yoga oder regelmäßige Spaziergänge können helfen, den Darm zu beruhigen und die Verdauung zu verbessern. - Beckenboden stärken
Wenn die Verstopfung mit Schwierigkeiten bei der Darmentleerung verbunden ist, können gezielte Übungen für den Beckenboden sinnvoll sein. Sie unterstützen die Muskulatur rund um Darm und Becken. - Ärztliche Hilfe nutzen
Wenn Lebensstilmaßnahmen nicht ausreichen, können Ärzt:innen weitere Behandlungen empfehlen, etwa ballaststoffhaltige Präparate, bestimmte Medikamente oder eine physiotherapeutische Behandlung des Beckenbodens. Fachleute gehen davon aus, dass hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren die Darmbewegung beeinflussen können. Allerdings gibt es bisher keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege dafür, dass eine Hormonersatztherapie gezielt gegen Verstopfung eingesetzt werden sollte.
Das Wichtigste im Überblick
%QUESTION%
Warum tritt Verstopfung häufiger in den Wechseljahren auf?
Hormone verlangsamen die Darmbewegung – der Stuhl wird fester.
Welche Rolle spielt der Beckenboden bei Verstopfung?
Eine geschwächte Muskulatur kann die Entleerung erschweren.
Was hilft gegen Verstopfung in den Wechseljahren?
Ballaststoffe, Flüssigkeit, Bewegung und Routinen. Bei Bedarf ärztliche Abklärung.
Wann ist ärztliche Abklärung sinnvoll?
Wenn Verstopfung länger anhält, sehr schmerzhaft ist oder neu auftritt, sollte sie ärztlich abgeklärt werden. Auch Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsverlust oder starke Bauchschmerzen sind Warnzeichen.
Weiterlesen: Mikrobiom: Auswirkungen auf Gewichtszunahme und Gehirn im Wechsel
Weiterlesen: Der Beckenboden: Welche Funktion er hat und wie wir ihn trainieren können
Weiterlesen: Warum du in den Wechseljahren zunimmst und was die Gene damit zu tun haben
Schreib einen Kommentar ( 0 )