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Wechselsymptome

Miriam Stein: „Ich bleibe mitten im Leben“

Weil sie sich von ihrer Frauenärztin unzureichend beraten fühlte, begann die Journalistin Miriam Stein über den Wechsel zu recherchieren. Und schrieb ein Buch darüber.

Vorweg zwei Dinge. Erstens: Mein Frausein habe ich nie in Frage gestellt, im Gegenteil, ich bin wirklich gerne eine, mit allem was dazu gehört. Zweitens: Ich hatte immer schon Probleme mit meinem Unterleib. Das fing mit starken Perioden an, zog sich über schwere monatliche Krämpfe und gipfelte in Zysten, Gewächsen und mal mehr oder weniger gelungenen Unterleibs-OPs.

Die Aussicht irgendwann in der Mitte meines Lebens in die Wechseljahre zu kommen und demnach nicht mehr jeden Monat Schmerzen zu haben, erschien mir als jüngere Frau entsprechend heiter und erstrebenswert. Auch auf Verhütungsmaßnahmen wollte ich gern verzichten – die Pille vertrug ich nicht, mit Spirale war ich (Himmel sei Dank) schwanger geworden. Kurz, die Menopause lauerte für mich nie wie eine Bedrohung am Ende meiner Fruchtbarkeit, sondern wie eine Erlösung von Blut, Schmerzen und bangen Momenten.

Der Wechsel: ein schwarzes Wissensloch

Über diese Hoffnung ein paar lästige, körperliche Malaisen loszuwerden, wusste ich gar nichts über die Menopause. Vielleicht hatte ich von Hitzewallungen gehört, aber sonst glichen die Wechseljahre einem schwarzen Wissensloch. Ich dachte naiverweise, dass einfach irgendwann meine Tage ausbleiben und damit besagtes Leiden endet.

Mit Ende dreißig fing ich plötzlich an schlecht zu schlafen und nachts zu schwitzen. Mit Anfang 40 weiteten sich PMS-Beschwerden von drei auf sechs bis zehn Tage aus. Ich hörte immer schlechter, bekam Hörstürze und konnte an manchen Tagen vor Schwindel nicht aufstehen. Meine Haut erblühte mit Pusteln und Pickeln, ich nahm zu ohne dass ich mehr aß, vertrug überhaupt keinen Alkohol mehr und fühlte mich durchgehend erschöpft. Meine Laune war leicht gereizt, um es gelinde auszudrücken. Gestresst – also Burn-out-gestresst – fühlte ich mich aber nicht. Eher wie eine dauermüde Furie, irgendwas stimmte nicht mit mir.

Recherchen und der Entschluss ein Buch zu schreiben

Ich fing an Schlafprobleme, Erschöpfung und Hautprobleme zu googlen, stolperte über das Wort „Perimenopause“ und hatte eine Erleuchtung: Ich war nicht todkrank, sondern lediglich eine mittelalte Frau mit Hormonschwankungen! Von wegen Erlösung vom Blut – meine Monatsblutungen explodierten in Horrorfilm-verdächtigen Bluträuschen und kamen häufiger statt seltener, während der ersten Tage musste ich wirklich dauernd das Tampon wechseln. Es reichte.

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Leider wollte oder konnte meine Gynäkologin mich nicht beraten, sondern drehte mir die Pille an, die ich ohnehin nicht vertrage. So beschloss ich, mich auf eigene Faust zu informieren, ein Buch über das Thema zu schreiben. Ich sprach mit Expertinnen – unter anderem der Heilpraktikerin Anja Scherret, die sich auf Frauengesundheit konzentriert, der Politologin Theda Borde, die eine große Studie zur Menopause an der Berliner Charité durchgeführt hatte oder mit der Ernährungsberaterin und Gründerin Susanne Liedtke, die ein Ernährungsprogramm mit Schwerpunkt auf Hormonbalance ausgearbeitet hat.

Ich war mit meinen Beschwerden nicht allein

Von diesen klugen Frauen lernte ich, dass die Wechseljahre durchaus in den 40ern mit diversen Symptomen beginnen können, unter anderem kürzere Zyklen, Nachtschweiß und Durchschlafproblemen. Meine Überraschung über diese neuen Erkenntnisse besprach ich mit Freundinnen und Kolleginnen. In diesen Gesprächen stellte ich fest, dass ich nicht die einzige war, deren Körper sich anscheinend selbstständig gemacht hatte. Eine Bekannte entwickelte plötzlich Depressionen, ohne sichtbare Auslöser, ihre Ehe zerbrach. Eine andere bekam plötzlich Herzrhythmusstörungen, eine dritte, wie ich, Hautprobleme, eine vierte Probleme mit dem Gehör.

All diese Symptome können, so lernte ich, auf Hormonstörungen zurückgehen – Östrogenmangel, Progesteronmangel oder auch Östrogendominanz, also zu viel Östrogen im Verhältnis zum Progesteron. Ich konnte nicht glauben, dass keine der gut ausgebildeten und emanzipierten Frauen in meinem Umfeld irgendetwas über die Menopause wussten. Ich suchte mir eine neue Frauenärztin.

Therapie mit bioidentischen Hormonen

Seitdem nehme ich bioidentische Hormone, Progesteron, Östrogen und Testosteron und es geht mir viel besser. Außerdem habe ich meine Ernährung umgestellt: Ich esse weniger Zucker, weniger Fleisch und weniger weißes Mehl, auch das hilft. Diesen Text schreibe ich allerdings gerade wieder in einer Nacht, die um 3:30 endete. Aber darüber verzweifele ich nicht mehr, denn ich weiß nun, warum ich nicht schlafen kann und dass ich diese stille Zeit für mich nutzen kann.

Schockierend finde ich allerdings, wie schwierig es für Frauen über 40 ist eine seriöse medizinische Versorgung zu bekommen. Ich habe in Berlin acht Wochen auf die Ergebnisse meiner Hormonwerte im Blut gewartet, obwohl ich die Bestimmung selbst bezahle. Viele Frauenärzt:innen beraten ihre Patientinnen schlecht in Wechseljahrfragen, weil das deutsche Krankenkassensystem Kleckerbeträge für eine solche Beratung abrechnet. Es lohnt sich für Gynäkolog:innen einfach nicht, sich auf die Menopause zu spezialisieren. Die Studienlage lässt ebenfalls zu wünschen übrig – wir wissen, in anderen Worten, einfach noch viel zu wenig über die Wechseljahre.

Nutzen wir die Wut

Deswegen halte ich es für absolut notwendig eine breite, öffentlich Debatte über die Menopause zu führen. Nur im öffentlichen Dialog können Stigmata beseitigt werden, nur so können Frauen ohne Scham über ihre Symptome sprechen, nur mit Hilfe eines lauten Diskurses wird sich die Forschungs- und Versorgungslage verbessern. Die Zeit ist auf unserer Seite – wir Frauen über 45 werden statistisch mehr.

Im Vergleich zu den Generationen davor verfügen wir endlich über etwas mehr Entscheidungsfreiheit, mehr eigenes Geld und körperlicher Selbstbestimmung. Es ist nicht mehr möglich uns als gesellschaftliche Schattengruppe zu marginalisieren, im Gegenteil. Die Wut, die in menopausalen Frauen manchmal so brodelnd aufsteigt, nutze ich, um klarzustellen: Ich ziehe mich nirgendwohin zurück. Ich selbst, und hoffentlich allen Frauen über 45, stehe weiterhin mitten im Leben. 

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