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Wechselsymptome

Kasia Greco: „Frau sein – auch ohne Gebärmutter“

Die Politikerin, Coachin und Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Wien besiegte zwei Mal den Krebs. Eine Hysterektomie wurde dabei auch zur seelischen Challenge.

„Das machst du schon“. „Das schaffst du mit links“. „Du hast ja eh schon einen Mann und zwei Kinder – wozu brauchst du noch eine Gebärmutter?“ Die Reaktionen auf meine bevorstehende Operation reichten von bestürzt über unterstützend bis hin zu sehr irritierend. Wenn ich mich an diese Zeit vor Jahren zurückerinnere, weiß ich noch genau, wie oft ich mich kränkte. Aber mir war auch bewusst, wie schwierig es für Außenstehende ist, adäquat auf diesen Eingriff, diese Krankheit zu reagieren – sie fühlten sich sicherlich selbst machtlos und überfordert. Die Österreichische Krebshilfe unterstütze mich einfühlsam und professionell – auch bei Fragen wie „Wie sage ich es den Kindern“ oder „Wie gehe ich mit dem Echo meiner Umwelt um?“ Die Krebshilfe, das war mein kleiner Zufluchtsort.

Mein zweites Zuhause: Station 16D

Ich hatte Glück, ich musste „nur“ operiert werden und danach ein paar Tabletten schlucken. Riesengroßes Glück im Unglück und dafür bin ich unendlich dankbar. Ich habe viel Menschlichkeit genossen, damals in meinem zweiten Zuhause, der Station 16 D des AKH. Und denke liebevoll an die enorme Unterstützung zurück – auch wenn ich leider viele Frauen gehen sehen musste. Als ich entlassen wurde und wieder im Alltag eingebunden war, freute ich mich über jede einzelne Rückkehr auf die Station. Es war eine Wohltat, sich einfach vor dem Schwesternstützpunkt hinzusetzen. Dort herrschte Ruhe, dort war meine Welt in Ordnung, dort ging nicht alles so rasend schnell. Dort durfte ich ICH sein!

Bin ich noch eine Frau?

Aber wer war ich denn überhaupt? War ich denn überhaupt noch eine Frau? Ich litt bereits im Alter von 29 Jahren an Brustkrebs, meine rechte Brust musste teilamputiert und wieder aufgebaut werden. Dann folgte diese weitere schwerwiegende „Trennung“ von einem Teil meines Körpers, meiner Identität, meiner Weiblichkeit. Mit 42 war meine Gebärmutter weg. Bis heute erinnert mich dieser große Schnitt meinen Bauch entlang daran – jeden Tag, wenn ich in den Spiegel schaue. Die Narbe erinnert mich auch an das damalige Gefühlschaos. Ich habe zweimal den Krebs besiegt, ohne dabei wirklich durch die Hölle zu gehen – also haderte ich damit, ob ich mich überhaupt als krebskrank bezeichnen dürfte.

Kommunikation ist überlebenswichtig

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Ich litt unter schlechtem Gewissen gegenüber den anderen Frauen, die so viele Zyklen an Chemotherapie über sich ergehen lassen mussten. Auch in diesen Belangen habe ich Unterstützung bei der Krebshilfe gefunden. Wir reden über alle möglichen Befindlichkeiten von der Grippe bis hin zum Beinbruch – Krebs hingegen ist leider immer noch nicht wirklich gesellschaftsfähig. Man spricht hinter vorgehaltener Hand darüber, am liebsten aber gar nicht. Hier auf wechselweise.net sollen sich Frauen jedoch offen austauschen können, um zu wichtigen Informationen und zu mehr Rückhalt zu gelangen – deshalb erzähle ich meine Geschichte.

Sorgen bei jedem Nieser

Eine Hysterektomie beeinflusst jede Frau, beeinflusst jede Partnerschaft. Der Umgang wird ein anderer. Es gibt viele Paare, die sich trennen, weil sie mit dieser Situation nicht umgehen können. Auch meine Söhne sind bis heute dadurch belastet. Kaum entkommt mir ein Nieser, schon kommt ein „Mama, geht es dir gut?“ Das ist zwar einerseits eine große Freude, weil es die Liebe meiner Söhne mir gegenüber zeigt. Aber will ich, dass sie diese Last mit sich herumtragen? Bin ich denn würdig, ihre Mutter zu sein? Nun kann ich keine weiteren Kinder mehr in die Welt setzen. Natürlich, mit einem halben Jahrhundert am Buckel steht das sowieso nicht mehr am Plan – aber vielleicht wäre es damals noch so gewesen.

Freund:innen und Seelenverwandte

Es ist diese Machtlosigkeit einer Situation gegenüber, die man nicht mehr ändern kann, die lähmt und runterzieht. Glücklicherweise bekam ich nicht nur professionelle Unterstützung, auch mein Mann, meine Söhne, meine Schwester und die engsten Freund:innen standen mir zur Seite. Vor der Diagnose hatten wir immer ein volles Haus mit vielen Gästen, dann kamen auf einmal nur mehr wenige. Diese wenigen, die blieben, mit denen ich lachte und weinte, sind zu Seelenverwandten geworden. Und dafür kann ich nicht dankbar genug sein. Aber manchen Herausforderungen muss man sich allein stellen. Ich musste nun lernen ohne Gebärmutter und mit einer aufgebauten Brust zu leben und versuchen, mich dabei als ganze Frau zu fühlen. Und nach vielen Sommern im verhüllenden Badeanzug habe ich es letztes Jahr gewagt, wieder einen Bikini anzuziehen. Ein eigenartiges Gefühl – ich fühlte mich beobachtet.

Und nun: Der Wechsel!

Mit dem 50. Geburtstag bemerkte ich dann den Beginn meiner Wechseljahre. Davor war mir immer kalt, selbst nachmittags am Strand. Ich brauchte in heißen Sommernächten eine Weste, litt oft unter kalten Füßen und Händen. Und dann plötzlich die 180 Grad-Wende: Eines Nachts riss ich alle Fenster auf, so heiß war mir – sollte das etwa eine Hitzewallung sein? Damals bei der OP war ich entsetzt darüber gewesen, dass man mir einen Eierstock gelassen hatte – ich wollte „alles raus“ und bloß nur keinen Krebs mehr haben. Aber mein Körper war schon belastet genug, die Ärzt:innen wollten mich nicht auch noch in die Menopause schicken. Nun war es aber so weit: Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen, das ganze Programm. Nach einem Hormonstatus bestätigte mein Gynäkologe die Vermutung. Die Progesteron-Salbe half etwas gegen meine Beschwerden, aber mit den plötzlichen Schweißausbrüchen, die gerade im Rampenlicht höchst ungelegen kommen, musste ich mich erst mal arrangieren.

Millionen Frauen gehen durch diese Lebensphase

Wieder einmal machte mein Körper, was er wollte, wieder einmal schämte ich mich. Ich stehe im Rathaus auf der Bühne, stehe in der Wirtschaftskammer auf der Bühne, ich halte Vorträge, ich bin bei meinen Kund:innen: Ich muss funktionieren. Aber funktionieren – das tun Maschinen, keine Menschen. Ich freundete mich schließlich mit der Situation an. Der Gedanke daran, dass Millionen Frauen durch diese Lebensphase gehen, hat mir sehr geholfen. Aber in meinem Kopf schwirren noch unendlich viele Fragen herum: Gehöre ich schon zum alten Eisen? Hilft es jetzt noch, wenn ich mich sportlich betätige? Wieso sehe ich in den Zeitungen nie Fotos von 50- und 60-jährigen Frauen? Wo sind meine Role Models? Und wohin geht diese Reise noch?

Gemeinsam Antworten auf diese Fragen zu finden, nicht allein gelassen zu werden, sich mit Anderen auszutauschen – das ist nun das A und O. Ich freue mich, dass guter Rat oder ein offenes Ohr dank wechselweise.net nur einen Klick weit entfernt ist.

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