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"Mit 48 beschloss ich, ein 'zweites Leben' zu beginnen und trennte mich"

Loslassen und aufblühen: Die Autorin und Coachin Ingrid Dorfmeister hat das Ideal der "perfekten Familie" hinter sich gelassen. Und teilt ihre Erfahrungen mit uns.

Trennungen, egal ob freiwillig oder nicht, zählen zu den schlimmsten Lebenskrisen. In jedem Alter. Doch ein Beziehungsaus ist zwar ein beträchtlicher Einschnitt in unserer Biographie, bietet uns aber auch viele neue Möglichkeiten. Wenn die Angst vor der Veränderung erstmal überwunden ist und der Selbstwert wieder gefüttert wird, finden wir schnell in die Arme eines ganz besonderen Menschen: Uns selbst.

Ingrid Dorfmeister, 62

Aufgewachsen bin ich in Kärnten und war danach in einem Wiener Reisebüro tätig. Menschen zu beraten und auch selbst zu reisen, das hat mich fasziniert. Nachdem ich meinen Mann mit 23 Jahren – übrigens im Urlaub – kennengelernt habe, war schnell klar, dass er eine Familie gründen wollte. Er war 12 Jahre älter als ich und zu diesem Zeitpunkt hat das wunderbar für mich gepasst. Wir haben gleich geheiratet und ich war noch keine 25, als unser erster Sohn zur Welt kam. Der zweite folgte bereits 18 Monate später. Unser geplantes Familienglück war perfekt, meinen Beruf gab ich selbstverständlich auf. Wir haben die „klassische Variante“ gewählt, ich war 10 Jahre nur Hausfrau, so war ich es auch von meinen Eltern gewohnt.

Eine perfekte Familie

Die ersten Jahre waren ziemlich anstrengend, die Kinder standen im Mittelpunkt und es gab wenig gemeinsame Zeit für uns als Paar. Rückblickend würde ich sagen, dass mein Mann und ich uns auch zu wenig kannten, bevor wir geheiratet haben. Als ich zu ihm zog, war ich bereits schwanger.  Es war trotz allem eine schöne Zeit und wir waren nach außen eine „perfekte Familie“. In mir rumorte es aber immer öfter und ich war oft unzufrieden.

Mir fehlte mein Beruf, die Kommunikation mit meinem Mann beschränkte sich hauptsächlich auf den Alltag, Nähe und Zärtlichkeit gab es immer seltener. Mit Anfang 30 nahm ich zum ersten Mal an einem Selbsterfahrungsseminar teil und setzte mich mit mir und meinen Bedürfnissen auseinander. Ich las viele Bücher, ging regelmäßig in eine Gruppe von Gleichgesinnten und konnte meinen Mann in späterer Folge sogar zu einer Paartherapie überreden. Die hat uns in den darauffolgenden Jahren tatsächlich auch weitergeholfen.

Probleme zudecken

Als die Kinder ins Gymnasium kamen, erfüllte ich mir einen Traum: ich übernahm ein kleines Spielwarengeschäft. Jetzt steckte ich meine ganze Energie in mein Projekt, die Hausarbeit blieb mir trotzdem zu 100 Prozent. Doch die Begeisterung wieder etwas „Eigenes“ zu haben, überwog, und ich schaffte alles locker. Heute weiß ich, dass ich dadurch natürlich auch unsere Beziehungsprobleme zugedeckt habe.

Nach einigen Jahren musste ich leider mein Geschäft schließen. Ich suchte mir eine neue Herausforderung und der „Zufall“ führte mich zu einer NLP-Ausbildung. Jetzt begann ich mich sehr intensiv mit mir, meinen Glaubenssätzen, meinen Werten usw. auseinander zu setzen, was zur Erkenntnis führte: Ich bin ziemlich unglücklich mit meinem Leben. Mittlerweile waren die Kinder bereits 17 und 18 und ich spielte immer öfter mit dem Gedanken mich zu trennen.

Körperliche Beschwerden

Es gelang mir aber noch einmal, meinem Mann diese Dringlichkeit, etwas an unserer Beziehung ändern zu müssen, klarzumachen und wir gingen erneut eine gewisse Zeit zur Paarberatung. Allerdings änderte sich nichts Wesentliches zwischen uns. Inzwischen bekam ich auch schon körperliche Beschwerden, vor allem mit der Schilddrüse. Ich machte gerade eine Ausbildung in der Schweiz zur „Wechseljahrberaterin“ und setzte ich mich mit den physischen und psychischen Themen während des Klimakteriums auseinander. So gestand ich mir auch meine Befürchtung ein, krank zu werden, wenn ich blieb.

Auf zu neuen Ufern

Ich war 48, als ich von zu Hause auszog und beschloss, ein „zweites Leben“ zu beginnen. Der Entschluss war mir sehr schwergefallen, aber damals wohnten unsere Söhne nicht mehr zu Hause und mir war klar, dass ich JETZT diesen Schritt setzen musste. Die Angst war zu groß, dass ich ansonsten bis zu meinem Lebensende bleiben und es bereuen würde.

Sie war sogar größer als die Angst, finanziell nicht zurechtzukommen, denn ich übte ja keinen Beruf aus. 24 Jahre war die Familie mein Mittelpunkt gewesen und jetzt musste ich allein zurechtkommen. Zum Glück habe ich mir schon während meiner Ehe einen großen Freundinnenkreis aufgebaut, den ich auch sehr pflegte. Diese waren jetzt für mich da und mein Anker in einer sehr turbulenten Zeit. Ich entschloss, aufbauend auf meiner begonnenen NLP-Ausbildung, den Lebens- und Sozialberater zu machen, um eine Grundlage für einen neuen Beruf zu haben. Die Ausbildung half mir auch sehr, meine Ehe zu verarbeiten und durch das Lernen war ich sehr gefordert.

Ich habe noch viel vor

Nach dem Abschluss führte mich der Zufall zu „Soulsisters“ – einem Zentrum für Frauen in der Lebensmitte und auch zur Imago-Therapie. Ich machte zusätzlich die „Facilitator“-Ausbildung und bin jetzt vor allem im Coaching von Frauen und Paaren tätig. Ich lebe nach wie vor allein, eine sechsjährige Beziehung ist an der räumlichen Entfernung gescheitert. Ich werde demnächst 62 und führe ein Leben, das ich sehr genieße.

Im Moment verbringe ich meine Sommer in Kärnten und den Winter zum ersten Mal im Süden. Ich bin unendlich dankbar, solche Entscheidungen treffen zu können, ohne auf jemanden Rücksicht nehmen zu müssen. Es gibt natürlich auch die Kehrseite der Medaille - aber ich fühle mich nie einsam, ich komme mittlerweile sehr gut mit mir allein zurecht. Vielleicht gibt es ja noch einmal einen Herzenspartner für mich, die Hoffnung bleibt, aber ich suche nicht (mehr).

Den letzten Sommer habe ich genutzt, um mein erstes Buch zu schreiben, das soeben auf den Markt gekommen ist. „Mich wundert nix“ handelt von Frauen, die mir ihre Beziehungsgeschichte erzählt haben. Vielleicht gibt es davon ja auch eine Fortsetzung. Mein nächstes Ziel ist es, spanisch zu lernen. Ich habe noch viel vor in meinem Leben und lasse mich gerne überraschen. Auf alle Fälle habe ich meine Entscheidung, mich scheiden zu lassen, nie bereut.

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