Brustkrebs: Neue Ansätze in Früherkennung, Diagnostik und Therapie
KI, genomische Tests, smarte Medikamente: Die Brustkrebsmedizin macht enorme Fortschritte. Was das für Früherkennung und Behandlung bedeutet.
Jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Während die Diagnose verständlicherweise noch immer große Angst auslöst, hat sich die Medizin in den vergangenen Jahren grundlegend verändert.
Moderne Therapien werden immer zielgerichteter, KI eröffnet neue Möglichkeiten in der Diagnostik und innovative Verfahren könnten die Früherkennung weiter verbessern.
Gleichzeitig rückt ein Thema stärker in den Mittelpunkt: die Selbstfürsorge. Ein Blick auf die spannendsten Entwicklungen der modernen Brustkrebsmedizin.
KI in der Brustkrebsdiagnostik: Präziser erkennen, weniger überbehandeln
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Die Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in die Krebsmedizin. Der amerikanische Biophysiker Dr. Howard Petty zählt zu den führenden Experten für KI-gestützte Krebsdiagnostik und personalisierte Medizin. Seit Jahren beschäftigt er sich mit einer zentralen Frage der modernen Onkologie: Welche Tumore sind tatsächlich gefährlich – und welche Patientinnen werden möglicherweise unnötig behandelt?
Ein Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf frühen Formen von Brustkrebs wie DCIS. Beim DCIS (Duktales Carcinoma in situ) handelt es sich um eine nicht-invasive Vorstufe von Brustkrebs. Die Zellen sind dabei auf die Milchgänge begrenzt und noch nicht in das umliegende Gewebe eingedrungen. Ein DCIS kann sich in manchen Fällen zu invasivem Brustkrebs entwickeln, bleibt in anderen Fällen jedoch über längere Zeit stabil oder wächst sehr langsam.
Da Ärzt:innen bislang nicht sicher vorhersagen können, welche Fälle gefährlich werden, werden viele Frauen vorsorglich operiert oder bestrahlt – obwohl die Erkrankung möglicherweise niemals bedrohlich geworden wäre. Um Risiken präziser einschätzen zu können, entwickelte Petty die Technologie Biomarker Ratio Imaging Microscopy (BRIM). Die Methode soll mithilfe spezieller Bildgebung und algorithmischer Auswertung dabei helfen, Tumore genauer zu charakterisieren und Risiken besser einzuschätzen. Mit seinem Unternehmen Predictoma treibt er seine Forschung gezielt in Richtung klinischer Anwendung voran.
Pettys Ziel ist eine Medizin, die Behandlungen noch stärker an die individuelle Risikosituation anpasst. In der Verbindung von KI-gestützter Analyse und niederschwelliger Früherkennung sehe ich einen Wendepunkt in der Brustkrebsdiagnostik, so Petty.
Genomtest bei Brustkrebs: Wann Chemotherapie wirklich nötig ist
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Ein weiterer Meilenstein: Ein neuer genomischer Test könnte Frauen mit bestimmten hormonabhängigen Brustkrebsformen eine belastende Chemotherapie ersparen. Eine Anfang 2026 im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichte Studie deutete darauf hin, dass sich anhand genetischer Tumormerkmale deutlich präziser vorhersagen lässt, welche Patientinnen von einer Chemotherapie tatsächlich profitieren und bei welchen eine antihormonelle Behandlung ausreicht.
Zielgerichtete Therapie: Gesunde Zellen schonen, Tumor bekämpfen
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Die Brustkrebstherapie verändert sich derzeit rasant: weg von standardisierten Behandlungen hin zu immer individuelleren Therapien, die gezielt auf die biologischen Eigenschaften des Tumors abgestimmt werden. Der österreichische Facharzt für Hämatologie und Onkonlogie und Experte für personalisierte Krebs-Medizin Dr. Johannes Drach spricht bereits von einem Paradigmenwechsel. Als ärztlicher Direktor der Privatklinik Confraternität verbindet er klinische Spitzenmedizin mit ganzheitlichem Verständnis: Der entscheidende Fortschritt der letzten Jahre ist die Erkenntnis, dass jede Krebserkrankung anders ist, sagt Drach. Während klassische Chemotherapien oft auch gesunde Zellen angriffen, ermöglichen moderne zielgerichtete Therapien heute eine wesentlich individuellere Behandlung – mit höherer Wirksamkeit und deutlich besserer Verträglichkeit. Krebs, so Drach, werde zunehmend zu einer chronischen Erkrankung, die trotz Diagnose eine hohe Lebensqualität zulässt.
Als vielversprechend gelten insbesondere Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs). Diese Medikamente werden häufig als intelligente Chemotherapie beschrieben: Sie erkennen Krebszellen gezielt über bestimmte Oberflächenmerkmale und transportieren den Wirkstoff direkt zum Tumor. Expert:innen sehen darin einen der wichtigsten Fortschritte der modernen Brustkrebsbehandlung.
Und auch sogenannte Liquid Biopsies gewinnen zunehmend an Bedeutung Dabei werden kleinste Spuren von Tumor-DNA im Blut analysiert. Forschende hoffen, dadurch künftig früher erkennen zu können, ob eine Therapie anschlägt, ein Rückfall droht oder welche Behandlung besonders geeignet sein könnte.
Brustkrebs-Früherkennung: Neue Methoden auch für zu Hause
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Neue Meilensteine werden auch in der Früherkennung gesetzt. Moderne Verfahren machen die Diagnostik präziser, digitaler, persönlicher – und niederschwelliger. Neu zugelassen in Europa ist Luminous, ein Gerät für den Hausgebrauch, das auf Transillumination basiert: Dabei wird rotes LED-Licht einer bestimmten Wellenlänge durch das Brustgewebe geleitet, wodurch Veränderungen der Durchblutung oder Gewebestruktur als dunklere Bereiche sichtbar werden. Die zugrunde liegende klinische Studie zeigt, dass die Technologie Auffälligkeiten erkennen und die Brust-Selbstbeobachtung unterstützen kann. Das Gerät soll Mammographie, Ultraschall oder MRT nicht ersetzen, sehr wohl aber ergänzen, Schwellenängste nehmen und die eigenständige Vorsorge unterstützen.
Imlunestrant: Neues Medikament für fortgeschrittenen Brustkrebs
Doch auch für Fälle, die erst spät erkannt werden, gibt es neue Hoffnung. Anfang 2026 wurde der Wirkstoff Imlunestrant in Europa zugelassen, eine neue Form der Antihormontherapie für Patientinnen mit weit fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs. Das Medikament blockiert die Wirkung von Östrogen an den Krebszellen und baut die entsprechenden Östrogenrezeptoren gezielt ab. Dadurch kann das Hormon das Wachstum hormonabhängiger Tumorzellen nicht mehr in gleicher Weise antreiben.
Vorsorge und Prävention: Die wichtigste Medizin bleibt gratis
So faszinierend die technologischen Fortschritte auch sind: Für Onkologe Drach beginnt moderne Krebsmedizin nicht erst mit der Diagnostik, sondern deutlich früher. Gemeinsam mit seiner Frau, Bewegungscoach Beatrice Drach-Schauer, vertritt er die Überzeugung, dass Medizin weit mehr sein müsse als Reparatur. Viele Frauen unterschätzten die Bedeutung von Prävention – Bewegung ist eine Medizin, die überall verfügbar und weitestgehend gratis ist – und der regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Viele schieben Untersuchungen aus Angst oder Verdrängung auf – obwohl moderne Diagnostik Krankheiten heute oft in heilbaren Stadien erkennen kann. Gerade bei Brust- und Darmkrebs ist Früherkennung entscheidend: Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto größer sind die Heilungs- und Überlebenschancen.
Regelmäßige Vorsorge, Aufmerksamkeit für den eigenen Körper und ein gesunder Lebensstil bleiben die wichtigsten Voraussetzungen, um Brustkrebs möglichst früh zu erkennen und die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung zu erhöhen.
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