Veränderungen der Augen gehören zu den weniger bekannten Begleiterscheinungen der Wechseljahre. Augenoptikermeister David Vogelhuber erklärt, was Hormone damit zu tun haben, welche Symptome Frauen ernst nehmen sollten und warum Vorsorge jetzt besonders wichtig ist.
Warum werden Veränderungen an den Augen oft übersehen?
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David Vogelhuber: Weil die Beschwerden meist schleichend beginnen. Trockene Augen, leicht verschwommenes Sehen oder eine erhöhte Lichtempfindlichkeit werden häufig auf Müdigkeit, Bildschirmarbeit oder das Älterwerden geschoben. Vielen Frauen ist nicht bewusst, dass hormonelle Veränderungen auch die Augen beeinflussen können.
Welche Auswirkungen haben die hormonellen Veränderungen auf Augen und Sehen?
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Vor allem der sinkende Östrogenspiegel kann die Zusammensetzung des Tränenfilms verändern. Dadurch werden die Augen trockener und empfindlicher. Manche Frauen berichten auch von schwankender Sehschärfe oder davon, dass Kontaktlinsen plötzlich unangenehm werden. Nicht jede Frau entwickelt dieselben Beschwerden, aber die hormonelle Umstellung kann das Sehen durchaus beeinflussen.
Welche Beschwerden an den Augen treten in den Wechseljahren besonders häufig auf?
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Viele Frauen berichten von trockenen, brennenden oder tränenden Augen, einem Fremdkörpergefühl und schnellerer Ermüdung. Auch eine erhöhte Blendempfindlichkeit oder Schwierigkeiten beim Sehen in der Dämmerung kommen vor.
Ab etwa 40 bis 45 Jahren setzt zudem häufig die Alterssichtigkeit ein, ein ganz natürlicher Prozess. Plötzlich muss das Smartphone oder Buch weiter weggehalten werden, um scharf sehen zu können. Als Einstieg kann eine sogenannte Wellnessbrille das entspannte Sehen im Nah- und Zwischenbereich unterstützen, etwa beim Lesen oder Arbeiten am Computer. Müssen später auch andere Sehbereiche korrigiert werden, kann eine Gleitsichtbrille sinnvoll sein.
Können verschwommenes Sehen und tränende Augen mit den Wechseljahren zusammenhängen?
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Ja. Gerade trockene Augen können paradoxerweise verstärkt tränen, weil das Auge versucht, den Tränenfilm auszugleichen. Auch schwankende Sehschärfe und eine größere Lichtempfindlichkeit beobachten wir häufiger. Veränderungen sollten aber immer individuell abgeklärt und nicht automatisch den Wechseljahren zugeschrieben werden.
Bei welchen Symptomen sollte man unbedingt zum Augenarzt?
Plötzlich auftretende Sehverschlechterungen, Lichtblitze, schwarze Punkte, Gesichtsfeldausfälle oder starke Augenschmerzen sollten rasch augenärztlich abgeklärt werden. Sie sind keine typischen Wechseljahresbeschwerden und können auf ernsthafte Augenerkrankungen hinweisen.
Welche Rolle spielen Lebensstil, Bildschirmarbeit und Kontaktlinsen?
Eine große. Wer viele Stunden am Bildschirm arbeitet, blinzelt deutlich seltener. Dadurch verdunstet der Tränenfilm schneller und trockene Augen können sich verstärken. Ausreichend Flüssigkeit, eine ausgewogene Ernährung mit Omega 3 Fettsäuren und Nichtrauchen unterstützen die Augengesundheit. Kontaktlinsen werden in dieser Lebensphase mitunter weniger gut vertragen.
Was kann man selbst für seine Augengesundheit tun?
Regelmäßige Vorsorge ist besonders wichtig. Bei Bildschirmarbeit helfen bewusstes Blinzeln und regelmäßige Pausen, etwa nach der 20-20-20-Regel: Alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf etwas schauen, das rund sechs Meter entfernt ist. Bei Bedarf können hochwertige befeuchtende Augentropfen unterstützen. Wichtig ist außerdem eine optimal angepasste Brille oder Kontaktlinse.
Ich empfehle auch Übungen zur Entspannung der Augen. Wir trainieren unseren Körper, vergessen aber oft die Augen. Einfache Blickübungen können dabei helfen, die Augen nach langer Naharbeit zu entspannen. Dazu kann man den Blick beispielsweise mehrmals von rechts nach links und von oben nach unten bewegen, mit den Augen eine liegende Acht zeichnen oder bei geschlossenen Augen gedanklich den Positionen auf einem Ziffernblatt folgen.
Welche Untersuchungen empfehlen Sie Frauen ab etwa 45 Jahren?
Regelmäßige Sehchecks und augenärztliche Vorsorgeuntersuchungen. Viele Veränderungen entwickeln sich langsam und bleiben zunächst unbemerkt. Gleichzeitig beginnt in diesem Alter häufig die Alterssichtigkeit. Eine genaue Vermessung beim Augenoptikermeister zeigt, welche Sehlösung im Alltag am besten passt.
Welche Augenerkrankungen treten mit zunehmendem Alter häufiger auf?
Das Risiko für Grauen Star, Grünen Star, also Glaukom, altersbedingte Makuladegeneration und Veränderungen der Netzhaut steigt. Einige dieser Erkrankungen verursachen anfangs kaum Beschwerden. Umso wichtiger sind regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt.
Was kann moderne Augenoptik zur Früherkennung beitragen?
Augenoptikermeister können heute weit mehr als die Sehstärke bestimmen. Moderne Mess- und Screeningverfahren können Hinweise auf Auffälligkeiten an Netzhaut, Makula oder Sehnerv liefern. Gleichzeitig analysieren wir, wie sich das Sehen im Alltag verändert und welche Brillenlösung sinnvoll ist. Bei Auffälligkeiten verweisen wir gezielt an eine Augenärztin oder einen Augenarzt.
Was ist der größte Irrtum rund um Augengesundheit und Wechseljahre?
Dass viele Frauen denken: Das gehört einfach zum Älterwerden, da kann man nichts machen. Tatsächlich lassen sich viele Beschwerden lindern und durch die richtige Versorgung und Vorsorge gut begleiten.
Welche drei Botschaften möchten Sie Frauen mitgeben?
- Nehmen Sie Veränderungen Ihrer Augen ernst, denn sie sind ein wichtiger Teil Ihrer Gesundheit.
- Viele Beschwerden lassen sich gut behandeln oder deutlich verbessern, wenn sie früh erkannt werden.
- Schenken Sie Ihren Augen genauso viel Aufmerksamkeit wie anderen Bereichen Ihrer Gesundheit. Regelmäßige Vorsorge hilft dabei, gutes Sehen möglichst lange zu erhalten.
David Vogelhuber ist Augenoptikermeister und Hörakustikmeister. Beim wechselweise MenoDay am 18. Oktober 2026 spricht er auf dem Panel Unerkannte Wechselbeschwerden darüber, warum sich die hormonelle Umstellung auch an den Augen bemerkbar machen kann und welche Veränderungen Frauen nicht ignorieren sollten.
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Das Wichtigste in Kürze
Können die Wechseljahre tatsächlich die Augen beeinflussen?
Ja. Hormonelle Veränderungen können den Tränenfilm beeinflussen und trockene Augen, schwankende Sehschärfe oder stärkere Lichtempfindlichkeit begünstigen.
Welche Augenbeschwerden sind in den Wechseljahren typisch?
Häufig sind trockene oder tränende Augen, Brennen, Fremdkörpergefühl, schneller ermüdende Augen sowie Probleme bei Dämmerung oder hellem Licht.
Wann sollte man Veränderungen ärztlich abklären lassen?
Bei plötzlicher Sehverschlechterung, Lichtblitzen, schwarzen Punkten, Gesichtsfeldausfällen oder starken Augenschmerzen sollte rasch eine augenärztliche Abklärung erfolgen.
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