Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen sind typische Begleiter der Wechseljahre. Immer häufiger empfehlen Ärztinnen und Ärzte Hormonersatztherapien (HRT) mit humanidentischen Hormonen – oft auch bioidentisch genannt. Eine Sonderform ist die Rimkus-Methode, die vom deutschen Forscher und Frauenarzt Dr. Volker Rimkus entwickelt wurde. Nach diesem Konzept werden die Hormone individuell dosiert, meist als Kapseln verordnet und mithilfe regelmäßiger Blutkontrollen laufend an den tatsächlichen Bedarf angepasst.
Wichtig ist die Einordnung: Humanidentische Hormone sind nicht automatisch gleich Rimkus. Prinzipiell gibt es zwei Arten von humanidentischen Therapien:
- Fertigarzneimittel mit standardisierten Dosierungen (die oft von der Krankenversicherung übernommen werden) und
- individuell in Apotheken hergestellte Präparate (magistrale Anfertigungen).
Das ist ein entscheidender Unterschied, denn viele Frauen hören nur das Wort humanidentisch und denken, es handle sich immer um dieselbe Therapie. Das stimmt aber nicht, betont Dr. Dr. Thomas Beck vom Hormon-Netzwerk Deutschland im Gespräch mit Wechselweise. Es macht einen Unterschied, ob nur eine einzige Dosierung verschrieben werden kann, oder ob die Hormon-Dosierung individuell und laufend an den persönlichen Bedarf angepasst wird.
Was ist die Rimkus-Methode?
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Dr. Rimkus machte vor über 40 Jahren eine entscheidende Beobachtung: Frauen, denen er in den Wechseljahren herkömmliche synthetisch modifizierte Hormonpräparate verschrieb, berichteten zwar von einer gewissen Besserung ihrer Wechseljahresbeschwerden, doch die Therapie entfaltete nicht voll die erhoffte Wirkung: Anhaltende Müdigkeit, Schlafstörungen und Libidoverlust waren häufige Begleiterscheinungen. Regelmäßig verschwanden eben nicht alle Symptome des Hormonmangels – wie es eigentlich zu erwarten gewesen wäre, wenn das Hormondefizit richtig und vollständig wieder ausgeglichen würde, schildert Dr. Beck.
Rimkus erkannte, dass der Unterschied der Wirkung in der synthetisch modifizierten Struktur der verwendeten Hormone lag: Synthetischen Hormonderivate – wie wir sie etwa von der Pille kennen – haben ob der Veränderung ihrer biochemischen Struktur ein verändertes Wirkspektrum und ein anderes Abbauverhalten. Zudem bringen sie unerwünschte Wirkungen und erhöhte Risiken mit sich – von Thrombosen über Herzinfarkt und Bluthochdruck bis hin zu erhöhtem Risiko für verschiedene Arten von Krebs, wie zum Beispiel Brustkrebs.
Das gilt für alle synthetisch veränderten Hormonderivate, nicht jedoch für die unveränderten physiologischen, also natürlichen (bioidenten), Hormone.
Humanidentische Hormone: Unterschied zu synthetischer HRT
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Humanidentische Hormone – auch bioidentisch genannt – entsprechen im Gegensatz zu synthetisch modifizierten Hormonderivaten in ihrer biochemischen Struktur exakt den Hormonen, die der menschliche Körper selbst produziert. Um sie für den Körper besonders gut aufnahmefähig zu machen, werden sie bei der Rimkus-Methode mikrofein zerkleinert (mikronisiert) und in Olivenöl gelöst. So können die ansonsten unveränderten Originalhormone oral eingenommen und optimal aufgenommen werden.
Welche Hormone werden bei der Rimkus-Methode eingesetzt?
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- Progesteron – das Gelbkörperhormon, wichtig für Schlaf, Stimmung, klares Denken, Vitalität, Immunabwehr, Regeneration und Knochengesundheit
- Östradiol (E2) – das wichtigste Östrogen für die Sinne, Haut, Schleimhäute, Stoffwechsel und gute Laune
- Vitamin D3 – streng genommen ein Hormon, essenziell für Immunsystem und Knochen
- Bei Bedarf Testosteron – für Energie, Libido und Muskelaufbau
Rimkus-Methode: Individuelle Dosierung statt Standardtherapie
Typisch für das Konzept sind:
- Humanidentische Hormone individuell dosiert
- Dosisanpassung nach persönlichen Beschwerden und Blutwerten
- Regelmäßige ärztliche Kontrollen
- In der Regel orale Einnahme, meist zweimal täglich
- Ein klarer Fokus auf individuelle Dosierung statt Standarddosis
Die Dosis wird schrittweise angepasst, bis der sogenannte grüne Rimkus-Korridor erreicht ist – jener Bereich, in dem die Hormone wieder ausbalanciert sind, Beschwerden nachlassen und es einem wieder richtig gut geht. Dabei wird immer die kleinstmögliche wirksame Dosis angestrebt. Jede Kapsel wird also genau auf die aktuellen Bedürfnisse der einzelnen Patientin abgestimmt.
Rimkus vs. klassische HRT: Die wichtigsten Unterschiede
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Der größte Unterschied liegt im Behandlungskonzept.
- Die heute bereits klassische Hormonersatztherapie mit körperidentischen Wirkstoffen wie Estradiol und Progesteron arbeitet mit Präparaten in festen Dosierungen. Sie können als Pflaster, Gel, Spray, Kapsel oder Tablette verordnet werden. Leitlinien empfehlen dabei eine personalisierte Behandlung mit passender Dosis, passendem Präparat und passendem Anwendungsweg.
- Im Unterschied dazu werden bei der Rimkus-Therapie die Hormonspiegel engmaschiger bestimmt und die Dosis kann entsprechend angepasst werden.
Gerade beim Anwendungsweg lohnt sich ein genauer Blick: Bei Rimkus werden Kapseln deutlich bevorzugt.
Kapseln statt Creme oder Gel
Die Rimkus Methode argumentiert, dass die Haut eine natürliche Barriere ist. Hormone, die auf die Haut aufgetragen werden, müssen diese Barriere erst überwinden, um im Körper systemisch wirken zu können. Kapseln mit in Öl gelösten Hormonen ermöglichen dagegen eine gleichmäßige und sehr gute orale Aufnahme, betont Dr. Beck. Die Kapseln werden zweimal täglich eingenommen – morgens und abends. Diese Aufteilung sorgt für stabilere Hormonspiegel mit weniger Schwankungen über den Tag.
Wie läuft eine Rimkus-Therapie ab?
In der Praxis beginnt sie in der Regel in mehreren Schritten:
- Ärztliches Gespräch mit Anamnese und Abklärung anderer Ursachen
- Untersuchung und Bestimmung der Hormonwerte im Blut
- Verordnung individuell dosierter Kapseln zur Herstellung in der Apotheke
- Kontrolltermine mit erneuter Blutabnahme und Dosisanpassung alle 3 bis 6 Monate
Hormone als Lebenselixier – warum die Dosis variiert
Ein faszinierender Aspekt der Rimkus-Methode ist die Erkenntnis, dass der Hormonbedarf nicht statisch ist. Das Wort Hormon kommt vom griechischen hormao – der Beweger, erklärt Dr. Beck. Hormone sind zentraler Bestandteil unserer Lebensenergie. Mit unseren Hormonen reagieren wir auf unsere Lebensumstände und regulieren diese je nach Bedarf.
Faktoren wie Lebensumstände, Stress oder körperliche Veränderungen beeinflussen den Hormonbedarf:
- Gewichtsveränderungen
- Veränderungen in Beziehungen
- Berufliche Veränderungen
- Stressereignisse
- Erkrankungen
Regelmäßige Kontrollen sind daher entscheidend. Die Therapie wird gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt laufend optimiert, bis die individuell angepasste Dosis gefunden ist.
Fazit: Welche Hormontherapie passt in den Wechseljahren?
Hormone sind mehr als Botenstoffe – sie sind Teil dessen, was dich lebendig macht. Wer in den Wechseljahren erlebt, wie die eigene Hormonproduktion nachlässt, spürt das oft deutlich: in der Energie, die fehlt, in der Stimmung, die schwankt. Am Ende geht es aber nicht um die simple Frage Rimkus oder nicht?. Die bessere Frage lautet: Welche Form der Hormontherapie passt zu deinen Beschwerden, deinem Risiko, deinem Alltag und deinem Sicherheitsbedürfnis? Spezialisierte Ärztinnen und Ärzte können dich beraten.
Das Wichtigste in Kürze
Was ist die Rimkus-Methode?
Die Rimkus-Methode ist eine individuell dosierte Hormontherapie mit humanidentischen Hormonen (Östradiol und Progesteron), die in Kapselform eingenommen werden. Die Dosis wird anhand von Blutkontrollen schrittweise an den persönlichen Bedarf angepasst.
Ist die Rimkus-Methode dasselbe wie bioidentische Hormontherapie?
Nicht automatisch. Humanidentische (bioidentische) Hormone gibt es auch als Fertigarzneimittel mit festen Dosierungen. Die Rimkus-Methode ist eine spezielle Form der bioidentischen HRT mit individueller Dosierung und regelmäßiger Anpassung anhand von Blutwerten.
Warum bevorzugt Kapseln statt Gel oder Creme?
Die Haut ist eine natürliche Barriere. Beim Auftragen von Hormoncremes geht ein Großteil der Hormone beim Durchtritt durch die Haut verloren. Für eine systemische Hormontherapie sind in Öl gelöste Kapseln effizienter. Cremes oder Gele werden eher lokal eingesetzt.
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