Nimmst du in den Wechseljahren Progesteron nur an bestimmten Tagen des Monats ein, spricht man von zyklisch. Das Gegenstück ist die kontinuierliche Einnahme: jeden Tag, ohne Pause. Die Frage, welche Vorgehensweise sinnvoll ist und welche Unterschiede es für die Prämenopause und die Postmenopause gibt, ist von Frau zu Frau verschieden. Wichtig zu verstehen: Progesteron ist im Gegensatz zu Gestagenen, wie sie etwa als synthetisch hergestellte Verbindung in der Pille vorkommen, das körpereigene Hormon. Hier sprechen wir ausschließlich vom natürlichen, körpereigenen Progesteron.
Die Rolle von Progesteron in deinem Körper
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Im weiblichen Zyklus spielt das Sexualhormon eine zentrale Rolle. Es wird nach dem Eisprung in der zweiten Zyklushälfte, der Gelbkörperphase (deshalb auch Gelbkörperhormon), ausgeschüttet, bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Einnistung vor – und fällt ab, wenn keine Schwangerschaft eintritt. Dieser gezielte Abfall löst die Menstruation aus, erklärt die Gynäkologin Dr. Doris Maria Gruber. Vereinfacht gesagt: Ohne Progesteron kein geordneter Zyklus.
Warum Progesteron in den Wechseljahren wichtig ist
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Die erste hormonelle Veränderung im Körper der Frau ist in der Perimenopause das Absinken des Progesterons. Dieses erfolgt noch vor dem Östrogen und den Androgenen. Vielleicht merkst du das nicht bewusst, weil du noch Blutungen hast. Doch die Zyklen werden unregelmäßiger, der Schlaf schlechter, die Stimmung labiler. Das ist häufig einem Progesteron-Mangel geschuldet.
Progesteron hat im Körper viele Aufgaben, die weit über die Gebärmutter hinausgehen. Es wirkt schlaffördernd, stimmungsausgleichend und schützend auf die Gebärmutterschleimhaut. Letzteres ist medizinisch besonders relevant: Wenn Östrogen eingenommen wird oder es auf natürliche Weise durch das Absinken des Progesterons zu einer sogenannten Östrogendominanz – einem Überschuss des Östrogens – kommt, kann sich die Schleimhaut unkontrolliert aufbauen. Das bedeutet ein höheres Risiko für Gebärmutterkrebs. Progesteron schützt davor. Deshalb gilt: Wer eine Gebärmutter hat und Östrogen nimmt, braucht immer auch Progesteron.
Zyklisch oder kontinuierlich – was bedeutet das eigentlich?
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- Zyklisch: Bei der zyklischen Einnahme ahmen wir im Grunde die Natur nach, erklärt Dr. Gruber. Dein Körper kennt einen Rhythmus von ungefähr 28 Tagen. In der zweiten Hälfte des Zyklus steigt das Progesteron – das wird mit der Therapie abgebildet. Das bedeutet: Progesteron wird nur in einem bestimmten Zeitfenster eingenommen, meist in der zweiten Zyklushälfte, also etwa 10 bis 14 Tage pro Monat. Dann folgt eine Einnahmepause – und häufig auch eine Abbruchblutung.
- Kontinuierlich: Die kontinuierliche Einnahme hingegen bedeutet, Progesteron wird täglich eingenommen, ohne Pause. Es kommt dann für gewöhnlich zu keiner Blutung mehr. Diese Variante wird häufig in der Postmenopause bevorzugt – wenn die letzte Menstruation schon länger zurückliegt und der Körper sich an diese neue Situation angepasst hat.
Wann ist die zyklische Einnahme sinnvoll – und für wen eher nicht?
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In der Perimenopause und Prämenopause – also, wenn eine Frau noch Zyklen hat, diese aber unregelmäßig werden – macht es durchaus Sinn, die Natur abzubilden, betont Dr. Gruber. Dein Körper ist es gewohnt, Progesteron zyklisch zu bekommen. Das Gehirn, der Uterus, das gesamte System ist noch auf diesen Rhythmus eingestellt.
Das klassische Schema sieht so aus: Progesteron wird etwa von Tag 15 bis Tag 28 des Zyklus eingenommen. Wer keinen geregelten Zyklus mehr hat, orientiert sich an einem 28-Tage-Kalenderrhythmus.
In der Postmenopause – also nach mindestens 12 Monaten ohne Blutung – ist die Lage etwas anders. Hier gibt es mehr Spielraum:
- Wenn kein Östrogen eingenommen wird: Progesteron ist oft nicht zwingend nötig. Die Schleimhaut baut sich ohne Östrogenstimulation kaum auf.
- Wenn Östrogen eingenommen wird: Progesteron ist weiterhin schützend notwendig – und dann stellt sich die Frage, ob zyklisch oder kontinuierlich die bessere Wahl ist.
Muss ich wirklich wieder bluten? – Diese Frage beschäftigt viele
Viele von euch werden sich diese Frage stellen. Und die Antwort ist: Es kommt darauf an – und es ist eine persönliche Entscheidung, die ihr gemeinsam mit eurer Ärztin oder eurem Arzt treffen solltet.
Medizinisch gesehen, ist eine regelmäßige Blutung – so wie während er fruchtbaren Zeit als auch unter Hormontherapie – ein Reinigungsmechanismus. Unter der Östrogen-Therapie baut sich die Gebärmutterschleimhaut auf – und diese gehört regelmäßig abgestoßen, erklärt Dr. Gruber. Je jünger eine Frau bei Therapiebeginn ist und je aktiver die Gebärmutter noch ist, desto wichtiger ist dieser Schutz. Lieber eine regelmäßige Blutung als eine unbeaufsichtigt wachsende Schleimhaut.
Das bedeutet nicht, dass jede Frau in der Postmenopause bluten muss. Aber es bedeutet: Wenn du Östrogen nimmst und eine Gebärmutter hast, sollte das Thema Schleimhaut aktiv besprochen werden – und nicht ignoriert.
Woran merke ich, dass Dosis und Schema passen?
Zwei bis drei Monate sind ein guter Referenzzeitraum. In dieser Zeit zeigt sich, in welche Richtung sich etwas entwickelt. Schläft eine Frau besser? Sind prämenstruelle Symptome weniger geworden? Kommt es zu einer Blutung – und wie sieht sie aus?
Progesteron ist kein Hormon, das man nimmt und sofort eine Wirkung spürt wie bei einem Schmerzmittel. Es wirkt subtil, schrittweise – und manchmal erst dann, wenn etwas fehlt. Viele Frauen berichten, dass der Schlaf besser wird, die Stimmung stabiler und sie sich allgemein besser fühlen.
Zeichen, dass das Schema oder die Dosis nicht passt
- Anhaltende Schlafstörungen
- Starkes Brustspannen
- Ausbleibende Blutung trotz zyklischer Therapie
- Müdigkeit und Benommenheit am Tag
- Unregelmäßige oder sehr starke Blutungen
Das Wichtigste für dich zusammengefasst
Progesteron ist nicht gleich Gestagen. Natürliches, körpereigenes Progesteron hat ein günstigeres Profil – dennoch ist es kein Allheilmittel.
- In der Perimenopause ist die zyklische Gabe meist die naturnahere und sinnvollere Wahl.
- In der Postmenopause hängt es davon ab, ob Östrogen eingenommen wird und wie die Gebärmutter reagiert.
- Eine regelmäßige Blutung unter Therapie ist kein Problem – sie ist ein Reinigungsprozess und häufig ein Schutz.
- 2 bis 3 Monate Einnahme sind wichtig, um die Wirkung wirklich einschätzen zu können
Und ganz wichtig: Es gibt keine universelle Antwort. Dein Körper ist einzigartig – und deine Therapie sollte es auch sein. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
F&Q
Progesteron zyklisch oder durchgehen – was ist besser?
Bei noch vorhandenem Zyklus zyklisch, also 10 bis 14 Tage pro Monat. In der Postmenopause eher täglich, also kontinuierlich. Entscheidend sind Beschwerden, Gebärmutterschutz und ob du Östro
Warum bekomme ich unter zyklischer Einnahme eine Blutung – und muss das sein?
Die Blutung ist gewollt: Progesteron stößt die Schleimhaut ab, die sich während des Zyklus aufgebaut hat. Das ist Schutz, kein Problem. Wer keine Blutung will, stellt auf kontinuierlich um.
Ich nehme Progesteron zyklisch, blute aber nicht – ist das normal?
Ja. Nicht jede Gebärmutter reagiert gleich, besonders wenn die Menopause länger zurückliegt. Wichtig: die Schleimhaut trotzdem regelmäßig kontrollieren lassen.
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