Blasse Haut? Dahinter könnte sich Eisenmangel verstecken. Dunkle Augenringe können etwa bei Schlafmangel und Erschöpfung verstärkt auftreten. Gelbe Augäpfel gehen häufig mit Leber- oder Gallenleiden einher. Und Östrogenmangel führt zu trockener Haut. Wir sehen – ein Gesicht sagt mehr als 1.000 Worte. Deswegen machen sich Mediziner:innen die Antlitzdiagnostik zu Nutzen – von der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) bis hin zur modernen Schulmedizin.
Seit wann gibt es die Antlitzdiagnostik?
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Die ersten Aufzeichnungen von der Lehre des Gesichtslesens reichen bis Hippokrates zurück. Schon er erkannte, dass sich Krankheiten durch Veränderungen im Gesicht bemerkbar machen. Auch Paracelsus und im Laufe der Zeit andere Mediziner:innen lieferten Bausteine für die heutige Antlitzdiagnostik. Demnach ist sie eine der ältesten Diagnoseformen. In der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) ist sie seit jeher ein fester Bestandteil. TCM-Ärzt:innen achten ganz besonders auf Farbe und Form des Gesichts, Tränensäcke, Falten oder Linien/Furchen. Auch der Hausarzt oder die Hausärztin erkennt häufig schon im Gesicht ihrer Patient:innen, wo der Schuh drücken könnte. Als Vorsorgeuntersuchungen mit all ihren Diagnosetools, wie wir sie heute kennen, noch in weiter Ferne waren, war die Gesichtsdiagnostik auch in der westlichen Medizin ein fester Bestandteil im Arztzimmer.
Störungen spiegeln sich im Gesicht wider
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Ob die Funktionstüchtigkeit von Organen oder der Zustand der Psyche – vieles, was sich im Körper abspielt, kann sich auch im Gesicht widerspiegeln. Man erkennt bei der Gesichtsanalyse Gesundheit, mögliche Erkrankungen beziehungsweise Tendenzen dazu, aber auch Mangelsituationen z.B. in der Ernährung. Dabei lassen sich nicht nur auf akute Störungen, sondern auch auf chronische Störungen Rückschlüsse ziehen. Ein "Gesichtsleser" kann Funktionsschwächen, die durch unterschiedliche Belastungen entstehen, erkennen. Es wird speziell auf sympathische und parasympathische Merkmale geachtet.
Betrachtet werden vor allem die Haut und das allgemeine äußere Erscheinungsbild, die Augen und der Mund beziehungsweise die Lippen.
Was die Haut verrät
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Speziell in den Wechseljahren verändert sich das Erscheinungsbild der Haut deutlich. Sie wirkt dünn und trocken, da sie die Fähigkeit, Feuchtigkeit zu speichern, verliert. Eine wichtige Rolle spielt dabei der sinkende Östrogenspiegel, der unter anderem den Kollagengehalt und die Elastizität der Haut beeinflusst. Zudem wird weniger Hyaluronsäure produziert. Die Haut tendiert zu mehr Unreinheiten, da die hormonellen Veränderungen die Talgproduktion erhöhen. Zu viel Talg verstopft die Poren, was zu Mitessern und Pickeln führt. Sinkt der Östrogenspiegel, können sich zudem vermehrt Haare am Kinn, an der Kinnlinie oder Oberlippe zeigen. Folgende Auffälligkeiten deuten auf gesundheitliche Störungen hin:
- Blasse Gesichtshaut und blasse Schleimhäute können unter anderem auf Eisenmangel, Müdigkeit oder Blasenschwäche hinweisen
- Ein rotes Gesicht kann ein Hinweis auf Bluthochdruck, allgemeine Hitze oder Entzündungen im Körper sein
Was die Augen verraten
Auch die Augenpartie kann sich in den Wechseljahren verändern. Schlafprobleme, hormonelle Veränderungen und Wassereinlagerungen können Augenringe oder Schwellungen, etwa verstärkte Tränensäcke, begünstigen. Hormonelle Schwankungen können auch zur Veränderung der Blutzirkulation und Schlafstörungen führen, was das Auftreten von Augenringen oft noch verschlimmert. Folgende Auffälligkeiten deuten auf gesundheitliche Störungen hin:
- Tränensäcke oder Augenringe werden in der Antlitzdiagnostik unter anderem mit dem Nieren- und Blasenbereich in Verbindung gebracht
- Geschwollene Augenlider – mögliches Anzeichen für Herz-Kreislaufprobleme oder Schilddrüsenproblem
- Gelbliche Augen – möglicher Hinweis auf Leber- oder Gallenerkrankungen
- Eingefallene Augenlider – Schlafmangel, Erschöpfung.
Was die Mundpartie verrät
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In den Wechseljahren verändern die Lippen ihre Form und Farbe aufgrund von Veränderungen der Haut und der darunter liegenden Strukturen. Ein Östrogenmangel führt zu einer Bildung von feinen Linien im Bereich des Philtrums, der Kerbe zwischen Nase und Oberlippe, sowie über der gesamten Oberlippe. Folgende Auffälligkeiten deuten auf gesundheitliche Störungen hin:
- Risse an den Mundwinkeln können unter anderem mit einem Mangel an Eisen, Zink oder bestimmten B-Vitaminen zusammenhängen.
- Trockene, spröde Lippen können anzeigen, dass du zu wenig trinkst
- Bläuliche Lippen können ein Zeichen für eine schlechte Durchblutung sein
- Blasse Lippen werden unter anderem mit Funktionsschwächen des Darms in Verbindung gebracht
Was kann die Antlitzdiagnostik in den Wechseljahren?
In der Perimenopause verändert sich das hormonelle Zusammenspiel deutlich. Damit können Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankkungen einhergehen. Ein geschultes Auge kann bei einer Frau im Wechsel bereits vor dem Eintreten einer Symptomatik Hinweise auf eine mögliche Funktionsschwäche erkennen. In einem solchen Fall wird eine körperliche Abklärung in die Wege geleitet. Auch emotionale Zustände können sich im Gesicht widerspiegeln.
Da unsere Gesichtsmuskeln durch Nervenbahnen mit dem Gehirn verbunden sind, prägen sich auch Denk- und Verhaltensmuster eines Menschen im Gesicht ein. Daher können sich auch Persönlichkeitsmerkmale im Gesicht zeigen.
Wie läuft eine Antlitzdiagnostik ab?
Für gewöhnlich wird die Antlitzdiagnose in einer Ordination durchgeführt. Der Gesichtsleser oder Arzt klärt mit der Patientin Themenschwerpunkte ab und nimmt darauf Rücksicht. Dabei werden körperliche und seelische Merkmale im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes betrachtet und mögliche Funktionsschwächen interpretiert. Gibt es spezielle Hinweise auf Störungen, wird abgeklärt beziehungsweise von einem Arzt oder einer Ärztin eine Therapie eingeleitet.
Das Wichtigste in Kürze
Was ist Antlitzdiagnostik?
Bei der Antlitzdiagnostik werden unter anderem Haut, Augen, Lippen und Gesichtszüge betrachtet, um Hinweise auf gesundheitliche Veränderungen und mögliche Funktionsschwächen zu erhalten.
Was kann das Gesicht über unsere Gesundheit verraten?
Blässe, Schwellungen, Veränderungen der Haut, Augen oder Lippen können Hinweise auf körperliche Veränderungen geben. Ihre Bedeutung ergibt sich aus dem Gesamtbild und gegebenenfalls weiteren Untersuchungen.
Warum ist Antlitzdiagnostik in den Wechseljahren interessant?
In der Perimenopause und rund um die Menopause verändern sich durch das hormonelle Geschehen unter anderem Haut, Haare und Fettverteilung. Dadurch kann sich auch das Erscheinungsbild des Gesichts verändern.
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