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Hormone

„In der Forschung zu den Wechseljahren tut sich enorm viel!“

Wissenschaftlerin mit Leidenschaft: Top-Endokrinologin und "Meno Queens"-Gründerin Prof. Dr. Petra Stute über Aufklärung, Forschung und Chancen in der Lebensmitte.

Prof. Petra Stute zählt zu den führenden Expertinnen in der Erforschung der Wechseljahre. Als stellvertretende Chefärztin und leitende Ärztin der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der Frauenklinik des Inselspitals Bern, Past-Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin (SGEM) sowie Präsidentin der Europäischen Gesellschaft für Menopause und Andropause (EMAS) hat sie alle Hände voll zu tun. Seit Gründung der Meno Queens bleibt der gebürtigen Deutschen kaum eine ruhige Minute – doch der Aufwand zahlt sich aus. Ihr Buch Management der Menopause – ein medizinisches Kochbuch rund um die Wechseljahre will vor allem Kolleg:innen aus der Medizin fundierter informieren. 

Forschung und gesellschaftliche Enttabuisierung der Wechseljahre: Wie steht die Schweiz da? 

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Prof. Stute: Was die Forschung betrifft, sind wir in Bern sicherlich vorne mit dabei. Die Gynäkologische Endokrinologie führt zahlreiche wissenschaftliche Studien zu Hormonen und Wechseljahren durch. Aktuell untersuchen wir etwa, ob eine Hormonersatztherapie das Risiko für Atemwegsinfektionen beeinflusst. Wie die COVID-19-Pandemie gezeigt hat, sind Frauen in und nach den Wechseljahren einem erhöhten Risiko für Infektionskrankheiten ausgesetzt. Auch gesellschaftlich ist das Interesse groß – ich gebe viele Interviews. Daher bin ich verhalten optimistisch, dass wir international gut abschneiden. Letztlich hängt vieles von einzelnen Personen ab – jedes Land ist nur so gut wie die Menschen, die das Thema vorantreiben. 

Sind die Wechseljahre in der medizinischen Ausbildung in der Schweiz ausreichend integriert? 

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Prof. Stute: Im gesamten, sehr umfangreichen Medizinstudium gibt es ein oder zwei Vorlesungen dazu. Wichtiger wäre aber die Facharztausbildung für Gynäkolog:innen – dort spielen die Wechseljahre leider eine völlig untergeordnete Rolle. Das dürfte in Österreich nicht anders sein. 

Was ist Ihre Motivation, sich den Wechseljahren mit solcher Leidenschaft zu widmen? 

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Prof. Stute: Mit dem Thema beschäftige ich mich schon viele Jahre. Mein Postdoc habe ich in den USA im Bereich „Vergleichende Medizin“ gemacht – auf einer Affenfarm mit ausschließlich postmenopausalen Äffinnen, die mit unterschiedlichen Therapien behandelt und untersucht wurden. Damals war das Thema Isoflavone neben der Hormonersatztherapie sehr präsent. Ich brenne seit jeher für die gynäkologische Endokrinologie. Seit meinem Wechsel in die Schweiz 2009 hat das Ganze richtig Fahrt aufgenommen. In Deutschland ist die Finanzierung durch die Krankenkassen miserabel, viele Stellen wurden abgebaut. In Bern, wo das Thema gerade en vogue ist, beschäftige ich mich fast ausschließlich mit den Wechseljahren. Das Schöne daran: Man hat bei den Patientinnen eine hohe Erfolgsquote – das ist nicht überall in der Medizin so. Wenn man die Symptome richtig behandelt, bekommt man sie meist gut in den Griff. Das macht Spaß, das motiviert. 

Wie sind die „Meno Queens“ entstanden? 

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Prof. Stute: Eigentlich aus Ärger über eine Fachveranstaltung, bei der die Gynäkologische Endokrinologie keine Rolle spielte. Spontan gründete ich ein Netzwerk, schrieb die Teilnehmenden an – und alle waren interessiert. Erst kamen unregelmäßige Newsletter, dann wurde das Ganze professionalisiert, auch mit Fördergeldern. Bald entstand zusätzlich ein Laien-Netzwerk. Letztes Jahr haben wir die Plattform „Meno Queens“ gegründet, dieses Jahr folgte der gleichnamige Non-Profit-Verein. Eine große, aber schöne Aufgabe. 

Sie suchen dort auch aktiv Teilnehmerinnen für wissenschaftliche Studien. Ein wichtiger Zweig? 

Prof. Stute: Absolut. Die Rekrutierung von Frauen für Studien ist das größte Nadelöhr. Dass Frauenmedizin an und mit Frauen erforscht wird, ist gesellschaftlich enorm wichtig. 

Welche Themen interessieren Ihre Leserinnen am meisten? 

Prof. Stute: Bei den Symptomen sicher Hitzewallungen und Brain Fog. Auch Mammakarzinom und Hormonersatztherapie bleiben heiße Themen – das erlebe ich täglich in meiner Sprechstunde. Ein Grund für das Unbehagen ist bekannt: die große US-Studie WHI von 2002, die bis heute nachwirkt. Damals hieß es, Hormongaben erhöhten das Brustkrebsrisiko dramatisch. Die Autoren entschuldigten sich später öffentlich und gaben Fehlinterpretationen zu. Trotzdem genießt die Hormonersatztherapie bis heute keinen guten Ruf – bedauerlich, denn das leicht erhöhte Risiko ist nur eine Seite der Medaille. Es gibt auch zahlreiche Hinweise, dass HRT etwa Knochenbrüchen, Diabetes mellitus oder Darmkrebs vorbeugen kann. Aufklärung ist entscheidend. Viele Frauen fühlen sich, als müssten sie sich rechtfertigen, wenn sie Hormone einnehmen – das ist eine große Barriere. 

Welche neuen Erkenntnisse faszinieren Sie derzeit besonders? 

Prof. Stute: Zu den größten Errungenschaften zählt die Entdeckung, warum wir Hitzewallungen bekommen – und wie man sie behandeln kann. Mit Fezolinetant wurde eine nichthormonelle Option zugelassen: Der NK3-Antagonist greift direkt in die Thermoregulation ein und lindert die Symptome signifikant. Eine Alternative, Elinzanetant, steht kurz vor der Zulassung. Für Brustkrebspatientinnen ist das ein Segen. 

Auch spannend sind Studien, die eine kombinierte Wirkung von Östrogen und GLP-1 (dem Wirkstoff aus den sogenannten „Abnehmspritzen“) auf Gehirn und Stoffwechsel zeigen: Das kann zu stärkerer Gewichtsreduktion und Appetitminderung führen. Gewichtszunahme in den Wechseljahren ist kein rein optisches, sondern auch ein gesundheitliches Problem. Frauen zwischen 40 und 60 nehmen im Schnitt zehn Kilogramm zu – viele haben dabei das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. 

Und schließlich die immer bessere Erforschung der Androgentherapie, also der Testosterontherapie in der Peri- und Postmenopause. Es tut sich derzeit unglaublich viel! 

Wie haben Sie Ihren eigenen Wechsel erlebt? 

Prof. Stute: Ich konnte mich hormonell gut einstellen (lacht). Vor ein paar Jahren hatte ich starke Schlafstörungen – da habe ich zwei große Vorteile erkannt: Erstens weiß ich, was es ist, und zweitens habe ich einen Rezeptblock. Die meisten Frauen haben beides nicht. Schon die langen Wartezeiten auf einen Termin sind ein Problem. Und dann landet man vielleicht bei jemandem, dessen Wissen oder Interesse an den Wechseljahren begrenzt ist. 

In Bern versuchen wir inzwischen, über digitale Patientenpfade mehr Frauen den Zugang zur Menopausenmedizin zu ermöglichen. Es sind Millionen Betroffene – sie alle sollten Hilfe bekommen. 

Ihr Buch heißt „Management der Menopause – ein medizinisches Kochbuch rund um die Wechseljahre“. Wie kam es zu dem Titel? 

Prof. Stute: Das ist gar nicht so weit hergeholt. Man hat seine „Zutaten“ – von Medikamenten bis Mikronährstoffen – und erstellt daraus ein Rezept, individuell abgestimmt auf die Frau. Von hormonellen „Grundzutaten“ über psychologische „Würze“ bis hin zu innovativen „Rezepten“ für Diagnostik und Therapie bietet das Buch eine reichhaltige Palette an evidenzbasierten und bewährten Ansätzen. Humor war mir dabei wichtig: Wissensvermittlung gelingt leichter, wenn sie Spaß macht. 

Für viele ist schon das Wort Endokrinologie ein Buch mit sieben Siegeln, und dann noch die Wechseljahre obendrauf – puh! Ich will Schwellenängste abbauen. Das Buch richtet sich an Kolleg:innen, die ich erreichen und informieren möchte – vor allem beim Thema Hormonersatz. Hormone wirken nämlich eher wie beim Kochen: Hier ein bisschen, davon etwas weniger, und wenn das Ergebnis nicht passt, braucht es Flexibilität und Hartnäckigkeit. 

Meno-Coaches, Meno-Bücher, Meno-Influencerinnen sind gesellschaftlich im Trend. Was sind die Sonnen- und Schattenseiten dieses Booms? 

Prof. Stute: Auf der Sonnenseite steht, dass das Thema endlich sichtbar ist – auch gesellschaftlich, etwa mit Blick auf die Wechseljahre am Arbeitsplatz. Negativ ist, dass nun viele selbst ernannte Expert:innen unterwegs sind, vor allem online. Sie sind schwer von jenen zu unterscheiden, die Ausbildung und Beruf tatsächlich diesem Thema widmen. Für uns ist das kein Wochenendjob – wir sind keine medical influencer, sondern Mediziner:innen. 

Ich bin keineswegs gegen Komplementärmedizin – im Gegenteil. Phytotherapie oder Akupunktur können sehr wirksam sein. Wichtig ist, dass man gemeinsame Nenner findet – nicht zehn Mittelchen für zehn Symptome. Entscheidend ist, wer die optimale Kombination aus Hormonen und pflanzlichen Alternativen kennt – fundiert und verantwortungsvoll. 

Welche Missverständnisse begegnen Ihnen am häufigsten? 

Prof. Stute: Klassiker wie: „Hormone machen dick“ oder „Hormone verursachen Brustkrebs“. Und: Viele glauben, die Wechseljahre beginnen erst mit 50. Das stimmt nicht – gerade beim späten Kinderwunsch ist das ein großes biologisches Missverständnis. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft im Umgang mit den Wechseljahren – von Gesellschaft und Medizin? 

Prof. Stute: Es wäre schön, wenn wir diese riesige Awareness-Blase eines Tages nicht mehr bräuchten, weil es selbstverständlich geworden ist, dass Frauen in dieser Lebensphase schnell und fundiert Informationen und Behandlung erhalten. Davon sind wir aber noch weit entfernt – da müssen wir noch ordentlich und gemeinsam trommeln! 

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