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MenoAward 2025: Wie die „Feuerfrauen“ Aufbruchsstimmung entfachen

Niederschwelliger Austausch in den Wechseljahren: Andrea Butterweck, Gründerin der "Feuerfrauen", schildert, warum sie mit Leidenschaft für die Wechseljahre brennt.

Der dritte Wechselweise MenoDay am 19. Oktober 2025 im Palais Niederösterreich hat erneut bewiesen, wie viel Energie Frauen in der Lebensmitte entfalten, wenn sie ernst genommen und Tabus offen angesprochen werden. Einer der emotionalen Höhepunkte: Die Selbsthilfe-Initiative Feuerfrauen Österreich rund um die Vorarlberger Gründerin Andrea Butterweck wurde mit dem Wechselweise MenoAward ausgezeichnet.  

„Mit dieser Auszeichnung wollen wir all jene sichtbar machen, die sich für Forschung, Aufklärung und Bewusstseinsbildung rund um die Wechseljahre einsetzen“, so Wechselweise-Chefredakteurin Veronika Pelikan. „Die Frauenfrauen leisten dazu einen sehr wichtigen Beitrag: Sie helfen Wissen niederschwellig weiterzugeben und Tabus abzubauen – auch abseits der städtischen Ballungsräume.“ Was hinter den Feuerfrauen steckt und wie es dazu kam, erklärt Initiatorin Andrea Butterweck im Interview. 

Die Feuerfrauen wurden 2025 mit dem MenoAward ausgezeichnet. Was hat euch bewegt, das Thema Wechseljahre öffentlich in Angriff zu nehmen?  

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Andrea Butterweck: Wir freuen uns sehr über die Anerkennung unserer Arbeit. Ich danke auch all den großartigen Frauen in den Bundesländern, die sich so leidenschaftlich engagieren! Als ich selbst in die Wechseljahre kam, war ich überrascht, wie wenig Frauen über Symptome, Veränderungen und Hilfsangebote wissen. In vielen Gesprächen in meinem Umfeld wurde mir klar, wie groß der Bedarf an Information und Austausch ist. So entstand die Idee für einen Frauenstammtisch in Vorarlberg und unser Motto: informieren – reden – vernetzen. Daraus entwickelte sich eine österreichweite Initiative von Selbsthilfegruppen in bald allen Bundesländern.  

Ich habe erlebt, wie viele Fragen, Unsicherheiten und auch Scham mit dem Thema verbunden sind. Besonders berührt hat mich das Feedback vieler Frauen: Sie fühlten sich zum ersten Mal wirklich ernst genommen und allein das Wissen, eben nicht allein zu sein, war für sie eine große Erleichterung. 

Wie ist Ihr eigener Wechsel verlaufen? 

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Andrea Butterweck: Im Alter von ungefähr 47 Jahren merkte ich deutliche Veränderungen an mir – Gereiztheit, Stimmungsschwankungen, Wortfindungsstörungen und Herzrasen. Ich begann zu recherchieren und fand Hilfe in bioidentischen Hormonen. Und ich veränderte meine Ernährung, meine Bewegungsgewohnheiten, meinen gesamten Lebensstil – was so wichtig ist! 

Sie meinten, die Feuerfrauen stünden „noch ganz am Anfang“ – was sind die größten Baustellen? 

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Andrea Butterweck: Die Frauen, die wir erreichen und unterstützen, berichten sehr häufig, wie schwierig es ist, eine Ärztin oder einen Arzt zu finden, bei der/dem sie sich umfassend gut betreut fühlen. Besonders bei Kassenärzt:innen herrscht ein deutlicher Mangel, viele Praxen sind überfüllt und nehmen keine neuen Patientinnen mehr auf. Doch gute medizinische Betreuung in den Wechseljahren sollte keine Frage des Geldbeutels sein. 

Die Feuerfrauen sprechen nicht nur medizinische Aspekte an, sondern auch Lebensumstände, Alltag, Beruf und Gesellschaft? 

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Andrea Butterweck: In Gesellschaft und Arbeitswelt ist das Wissen über die Wechseljahre nach wie vor unzureichend. Frauen stehen mitten im Berufsleben, tragen Verantwortung in der Familie und für Angehörige und sollen gleichzeitig mit teilweise massiven körperlichen und emotionalen Veränderungen umgehen. Dafür gibt es bislang zu wenig Verständnis und Strukturen, die wirklich entlasten. Es braucht dringend mehr Aufklärung und Sensibilisierung in den Unternehmen, in Führungsetagen, aber auch im privaten Umfeld. Wenn das Wissen über die Wechseljahre breiter verankert ist, können Frauen besser unterstützt werden und ihre Erfahrung, Kompetenz und Energie weiterhin voll einbringen. 

Wie gelingt es, Frauen zu erreichen, die sich bisher wenig mit dem Thema beschäftigt haben? 

Andrea Butterweck: Die sozialen Medien sind hilfreich, auch die Medienberichte haben uns bekannter gemacht. In einem kleinen Bundesland wie Vorarlberg war es anfangs aber vor allem die Mundpropaganda! Insbesondere wurden wir zum Thema, nachdem ich meine Initiative in einer bekannten ORF-Radiosendung vorstellen durfte. Auch mein Angebot für Impulsvorträge in Betrieben, Kommunen und Vereinen stößt auf große Resonanz.  

Mittlerweile sind bereits rund 20 Betriebe in Vorarlberg für das Thema Wechseljahre sensibilisiert, und es werden laufend mehr. Besonders hervorzuheben ist die Landeshauptstadt Bregenz, die sich als erste Stadt Österreichs mit einem umfassenden Projekt zur Frauengesundheit in den Wechseljahren engagierte. Weitere Städte und Gemeinden folgen dem Beispiel. Was mir aber ganz besonders am Herzen liegt ist die Zusammenarbeit mit Nicole Benvenuti vom ORF Vorarlberg-Podcast „Heiter bis wechselhaft“. Seine Entstehung wurde durch die Feuerfrauen inspiriert. 

Wie definieren Sie die Rolle der Feuerfrauen im Verhältnis zu klassischen medizinischen Angeboten? 

Andrea Butterweck: Wir informieren niederschwellig und vor allem ganzheitlich. Zu den unterschiedlichsten Themen laden wir Expert:innen ein, etwa Diätolog:innen zum Thema Ernährung oder Physiotherapeut:innen zum Thema Beckenboden. Auch Ärzt:innen unterstützen uns mit Vorträgen und ihrer Expertise. Diese Zusammenarbeit ist uns sehr wichtig und drückt auch gegenseitige Wertschätzung aus.  

In erster Linie verstehen wir uns als Brücke zwischen Frauen und Ärzt:innen, denn beide Seiten profitieren vom Austausch. Selbsthilfegruppen leisten einen wichtigen Beitrag. Prof. Johannes Huber sagte einmal: Gut informierte Patientinnen erleichtern die ärztliche Arbeit erheblich. 

Was sagen Sie einer Frau, die erste hormonelle Veränderungen bemerkt – was ist Ihre Botschaft? 

Andrea Butterweck: Wissen ist Macht – deshalb ist es so wichtig, sich gut zu informieren! Nur wer versteht, was im eigenen Körper passiert, kann seinen eigenen Weg finden. Die Wechseljahre verlaufen bei jeder Frau anders. Ebenso individuell sollten auch Hilfe, Therapie und Unterstützung sein. 

Was waren Ihre persönlichen Erfahrungen beim Aufgreifen dieses Themas? 

Andrea Butterweck: Ich habe fast nur positive Erfahrungen gemacht, die Menschen merken sofort, wie sehr mir das Thema am Herzen liegt und wie leidenschaftlich ich für Frauengesundheit brenne. Meine größte Herausforderung ist derzeit, genügend Zeit für all die Ideen und Projekte zu finden und die Finanzierung unseres Vereins sicherzustellen. Mehr Förderung von Selbsthilfegruppen wäre wünschenswert. Die Feuerfrauen-Leiterinnen in den Bundesländern engagieren sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit, neben Beruf und Familie. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft? 

Andrea Butterweck: Dass das Thema Wechseljahre so selbstverständlich besprochen wird wie andere Lebensphase. Jede Frau soll wissen, wo sie verlässliche Informationen, Unterstützung und leistbare medizinische Betreuung findet. Für die Feuerfrauen bedeutet das: ein starkes Netzwerk in ganz Österreich, mit engagierten Teams in jedem Bundesland, die vor Ort unterstützen, aufklären und vernetzen. Ich wünsche mir außerdem, dass Unternehmen die Wechseljahre als Teil eines gesunden, modernen Arbeitsumfelds begreifen, so selbstverständlich wie Mutterschutz oder betriebliches Gesundheitsmanagement. Wenn Frauen in dieser Lebensphase gesehen, ernst genommen und unterstützt werden, profitieren letztlich alle: die Frauen selbst, die Betriebe und unsere Gesellschaft als Ganzes. 

Welchen Veränderungsbedarf sehen Sie im Gesundheitswesen? 

Andrea Butterweck: Vor allem, dass im Medizinstudium und in der Weiterbildung der Mediziner:innen die Wechseljahre und die Hormonlehre einen höheren Stellenwert bekommen und auch der aktuelle Stand der Wissenschaft aktiv gelehrt wird, auch interdisziplinär. Aktuell fehlen eine Spezialisierung und eine Zertifizierung. Viele Frauen fühlen sich nicht ausreichend verstanden und betreut.  

Und es braucht Aufklärungskampagnen. Die Wechseljahre sollen Teil der medizinischen Vorsorge werden. Großbritannien ist in diesem Bereich Vorbild, Bayern hat aktuell ein Projekt dazu beschlossen. Frauengesundheit ist ein wichtiges Thema der Gleichstellung!  

Wie reagieren eigentlich Männer auf Ihre Aktivitäten?  

Andrea Butterweck: Die Reaktionen der Männer sind durchwegs positiv! Wir haben auch männliche Vereinsmitglieder, die ganz stolz das Feuerfrauen T-Shirt tragen. Einige Partner von Feuerfrauen sprechen inzwischen offen mit anderen Männern und Frauen über die Wechseljahre. Das hilft, das Thema endlich im Alltag zu normalisieren. In Vorarlberg bieten wir auch Austauschtreffen für Paare an. Diese Gespräche zeigen immer wieder, wie wichtig es ist, auch über herausfordernde Themen zu sprechen, einander zuzuhören und informiert zu sein. 

Wie wichtig ist Ihnen diese digitale Präsenz – und was lernt man besser live?  

Andrea Butterweck: Social Media ist sehr wichtig, um sichtbar zu bleiben und aktuelle Informationen mit den Frauen zu teilen. Außerdem pflegen wir so den Kontakt zu den vielen Aktivistinnen und Ärzt:innen. Online gibt es mittlerweile zahlreiche Angebote, doch das Besondere an der Feuerfrauen-Initiative ist der persönliche Austausch von Frau zu Frau! In einer zunehmend digitalen Welt schätzen Frauen echte Begegnungen besonders. Dank unseres Netzwerkens sind bereits viele Freundschaften entstanden. Und wir freuen uns auch über jedes neue Vereinsmitglied! 

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