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Psyche/Seele

"Die Wechsel­jahre wurden zum Sparring­partner, der mich antreibt"

Gabi Mihats, 61, wurde durch ihre Erfahrungen in den Wechseljahren sogar zur Bloggerin. Heute sieht sie vieles viel gelassener – und möchte dieses Gefühl mit uns te

Ich darf mich vorstellen: Mein Name ist Gabi, ich bin Wienerin und nach 40 Berufsjahren, ziemlich zeitgleich seit dem Beginn der Pandemie, in Pension. Ich liebe meinen Ehemann, meine selbst schon in die Jahre gekommenen Au-Pair Kinder – eigene wollte ich nie – und habe leider vor kurzem meine geliebte Collie-Hündin verloren. Ab den 1970er Jahren hat mich die Emanzipationsbewegung mit all den starken, mutigen Frauen sehr beeinflusst und oft denke ich mir, vielleicht liegt es nun an meiner Generation, diese Courage von damals neu aufleben zu lassen.

Ich dachte nicht, dass es mich so erwischen würde

Als stressresistente Frohnatur, unkompliziert, harmoniebetont und voll Energie bin ich stets davon ausgegangen, dass die Wechseljahre unbemerkt, ja im Grunde spurlos an mir vorüber gehen würden. So wie bei einem Drittel aller Frauen. Ein weiteres Drittel, so sagt man, hat nur leichte Beschwerden, während auf die restlichen rund 30 Prozent der Frauen eine – sagen wir mal – sehr anspruchsvolle Lebensphase wartet. Ich hätte nie damit gerechnet, dass es mich so heftig erwischen würde.

Herzrasen, Schweißausbrüche und blanke Angst

Inzwischen amüsiert es mich, an diese Nacht vor mehr als zehn Jahren zu denken. Von jetzt auf gleich spürte ich Herzrasen, absteigende Hitze, aufsteigende Kälte, ein Gefühl der Enge, rasenden Puls, Schweiß aus allen Poren und die blanke Angst, so wie mein Vater mit 59 durch einen Herzinfarkt ohne Vorwarnung sterben zu müssen. Es war fürchterlich dramatisch und endete in der Notaufnahme.

Dass es sich um den furiosen Eröffnungs-Salto in meine Wechseljahre handelte, das konnte ich damals nicht wissen. Heute, nach moderat geschätzten 36.500 Wallungen (10 pro Tag mal 10 Jahre) blicke ich zurück auf eine turbulente Zeit, die mir Sagenhaftes brachte: die bewusste Konfrontation mit mir selbst.

Verdrängen war zwecklos

Verdrängen war zwecklos, ich fühlte mich in den lästigsten Phasen wie eine Geisel meiner selbst. Mein einst so funktionelles System machte Mucken, ich wurde psychisch dünnhäutig und sensibel, phasenweise weinerlich. Eine humpelnde Taube brachte mich ebenso schnell aus der Fassung wie Schlimmes aus den Nachrichten oder ein romantisches Happy End in einer Fernseh-Schnulze. Ich kämpfte mit Gefühlen, deren Intensität ich nur aus der Pubertät, wenn überhaupt, kannte: Wut, Weltschmerz, Melancholie, Antriebslosigkeit, aber auch Euphorie, Lebenslust und die Sehnsucht nach Unvernunft und Drama. Alles sehr, sehr intensiv.

Eine Herausforderung – auch für den Partner

Der Körper rebellierte auf seine eigene Weise. In vielen Nächten wachte ich halbstündlich mit einer Megawallung auf, die Fenster blieben selbst bei Minusgraden offen. Ich schlief nackt, mein Mann unter zwei Daunendecken. Mir war einfach nur heiß. Oder plötzlich irre kalt. Wallungen sind fies, sie ruinieren in der Sekunde die Frisur und machen Make-Up unmöglich. Sie bestimmen die Kleidungswahl und ein bisschen das ganze Leben. Wolle? Unmöglich. Lange Ärmel? Sicher nicht. Rollkragen? Im Leben nicht mehr. Zwiebellook? Ja, bitte!

Auch für meinen Partner war diese Phase eine Herausforderung, musste er doch völlig neue Seiten an seiner geliebten Frau akzeptieren. Ich wurde kantiger, launischer. Der Körper wurde dicker, die Haare und das Nervenkostüm dafür empfindlich dünner. Die Haut veränderte sich wie eine Leinwand, die neu bemalt wird.

Was also tun? Hormone hätten das Wachstum meines Myoms ankurbeln können. So probierte ich alternativ vieles aus, einiges davon wirkte, zumindest auf Zeit. Erst eine TCM Ärztin schaffte es, meine Zustände erträglicher zu machen. Seitdem ist diese Frau für mich lebensbegleitend.

Geniert habe ich mich nie

Ich könnte hier schreiben, die Wechseljahre sind fürchterlich. Aber so stimmt das nicht. Denn sie haben mich gefordert, wurden zum Sparringpartner, der mich antreibt. Gut war, dass ich offen damit umgegangen bin. In Meetings, unter Freunden, daheim. Ich habe mich nie geniert dafür, wollte nie die ewig Junge oder gar die Starke mimen, obwohl mir das einmal eine Apothekerin empfohlen hatte, just, als es mir besonders dreckig ging. Stark bleiben klappt nur, wenn man Schwäche zugeben kann.

Veränderung und ein Blog

Ich suchte also die Veränderung. Einerseits geographisch: Für mehr Lebensqualität wechselte ich in die Altersteilzeit. Um den Gehaltsverlust zu kompensieren, zogen wir von unserer großen Altbauwohnung im schicken Freihausviertel in die halb so große, elterliche Genossenschaftswohnung nach Ottakring, die nach dem Auszug meiner Mutter ins Pflegewohnheim leer stand. Die Entscheidung war richtig, aber fiel nicht leicht.

Die menschliche Veränderung? Ich wollte mein Umfeld nicht mehr mit meinen Befindlichkeiten quälen und startete einen anonymen Blog. Fotografierte Kleidungsstücke, die mir nicht mehr passten und formulierte Geschichten dazu. Das Schreiben wurde zu meinem „happy place“, zum kreativen Rückzugsort. 2013 folgte mein Blog „fastjustperfect?“. Weil perfekt konnte es nicht mehr werden, aber immerhin fast –davon war ich überzeugt.

60 ist nicht das neue 40

Mein Blog ist heute die Brücke zu allem, was mich interessiert, hauptsächlich sind das Themen, die „menscheln“ und meinen Horizont erweitern. Das Timing passte, denn damals war Frau 50+ noch ziemlich unsichtbar. Mittlerweile sind wir eine Zielgruppe, entdeckt von der Industrie, den Medien und laufen damit wieder Gefahr, unerreichbaren Vorbildern entsprechen zu müssen. Das empfinde ich sehr langweilig und ärgerlich.

Für mich ist mein 60 nicht das neue 40, denn dazwischen liegen 20 wertvolle, pralle Lebensjahre, die ich mir nicht wegreden lasse. Meine Blickrichtung hat sich geändert. Ich bin nun die Junge unter den Alten und nicht mehr die Alte unter den Jungen. Mit allem, was dazugehört. Es fühlt sich gut an. Obwohl es mich noch manchmal hin- und herwechselt.

Als nächstes: meine Memoiren

Mein nächster Plan? Ich werde mich in lauschige Schanigärten setzen und meine Memoiren schreiben. Nicht chronologisch, sondern nur die Meilensteine, die magischen Momente, die Höhenflüge und Tiefschläge. Und ich will jungen Frauen vorleben, dass die Verpackung ein Geschenk, aber der Inhalt das Wesentliche, der Sinn des Lebens ist. Perfekt war es nie. Weder in der Jugend noch vor oder in oder nach den Wechseljahren. Aber fast. Wenn wir Frauen es uns erlauben.

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