Marion Stein: Wie mich mein 45-jähriger Körper überraschte
Unternehmerin Marion Stein erlebt den Beginn der Wechseljahre als Wendepunkt: Zwischen Verunsicherung und massivem Nachtschweiß entdeckt sie ungeahnte Kräfte
Mein Einstieg in die Wechseljahre kam wie bei vielen Frauen sehr plötzlich: Von einem Tag auf den anderen konnte ich meinem eigenen Körper nicht mehr vertrauen. Es ist ja nicht so, dass ich meine Monatsblutung vermissen würde. Im Gegenteil. Mein Leben lang hat mich mein Zyklus genervt: Kreuzschmerzen, Bauchschmerzen – vor allem der erste Tag war immer schlimm für mich. Monat für Monat – über Jahrzehnte. Ein in meinem Fall überflüssiger Prozess – denn ich habe keine Kinder.
Oft habe ich mir mit der Wärmeflasche am Bauch und Schmerztabletten einwerfend vorgestellt, wie es denn wäre, wenn ich welche hätte. Würde ich den Nachwuchs am ersten Tag meines Zyklus anschauen und mir denken: Aber es hat sich doch gelohnt, diese Gschroppen (Anmerkung: Wiener Dialekt-Ausdruck für Kinder) sind das Beste, was mir je passiert ist, und dafür gehe ich gerne Monat für Monat durch die Hölle? Ich weiß es nicht.
Keine Periode mehr – stattdessen Nachtschweiß
Jedenfalls konnte ich mich immer auf meinen Körper verlassen – und Verlässlichkeit ist mir sehr wichtig. 28 Tage, meistens auf den Tag genau. Bis vor 65 Tagen. Von einem auf den anderen Tag war alles anders, meine Tage sind einfach ausgeblieben. Da ich momentan einzig und allein vom heiligen Geist schwanger sein könnte, war mir klar: Jetzt ist es so weit.
Und plötzlich ist alles anders. Plötzlich fehlt mir etwas, das ich mir so viele Jahre weggewünscht habe. Es ist ein sehr eigenartiges Gefühl für mich, meinem Körper nicht mehr vertrauen zu können – ganz habe ich mich daran auch noch nicht gewöhnt, ich stehe ja noch am Anfang. Dann kam der Nachtschweiß dazu, und zwar so, dass ich nachts aufgestanden bin, um Wasser zu trinken. Nicht weil ich durstig war, sondern weil ich Bedenken hatte, im Schlaf auszutrocknen.
Ich gehe liebend gerne in die Sauna, aber das ist eine völlig andere Liga. Man stelle sich einen geführten Aufguss mal zehn vor. Ich weiß es klingt paradox. Aber gleichzeitig ging es mir nie besser als heute. In den letzten Monaten hat sich mein Leben komplett gewandelt.
Perimenopause als Wendepunkt: Wenn innere Reife keine Metapher ist
Ich bin 45 Jahre jung, führe gemeinsam mit meinem Bruder ein Industriekletter-Unternehmen, lebe momentan allein mit meiner über alles geliebten Hündin in Niederösterreich, habe einen großartigen Freundeskreis, eine starke Familie, viel Lebensfreude und eine Was soll schon sein?-Lebenseinstellung. Trotzdem war mir aufgrund meines Beziehungslebens bewusst, dass es Dinge gibt, die ich aufarbeiten muss. Jede hat bekanntlich ihr Packerl zu tragen.
Ich habe in den letzten 20 Jahre versucht herauszufinden, wo es bei mir hängt – und ich bin trotz vieler Therapieversuche nicht dahintergekommen. Aber – genauso plötzlich, wie meine Tage ausgeblieben sind – ist es mir vor einigen Monaten gelungen. Nach 20 Jahren, in denen es nicht leicht für mich war, wurde es plötzlich leicht. Natürlich kann man es Zufall nennen, dass mir das gerade jetzt gelungen ist. Retrospektiv gesehen gehe ich aber davon aus, dass etwas in mir gereift ist. In dem Fall bestimmt keine Eizellen, sondern etwas, das mir den nötigen Mut gegeben hat, auf etwas zu schauen, auf das ich nie schauen wollte: Ein Knoten hat sich gelöst.
Und diese Erkenntnis hat mich mit einer riesigen Portion innerer Gelassenheit und Ruhe belohnt. Gleichzeitig habe ich vor einigen Monaten entschieden, noch ein Business zu starten. Zufall? Ich glaube nicht. Ich strotze nämlich vor Tatendrang, bin voller Energie und Lebensfreude, habe Lust, auszugehen, habe mit Sport begonnen, fühle mich attraktiv, stark und kann mir gar nicht vorstellen, dass mich irgendetwas aus der Bahn werfen kann. So habe ich mir die Wechseljahre jedenfalls nicht vorgestellt.
Warum die Wechseljahre kein Tabu mehr sind
Schon vor einigen Jahren begann ich, mich ein wenig mit dem Thema zu beschäftigen. Wir Frauen wissen ja, dass da irgendwann etwas auf uns zukommt. Nur wann? Und wie? In welcher Form? Ich habe mit Freundinnen darüber gesprochen, und alle waren auf demselben Stand wie ich: Unsere Mütter haben nicht darüber geredet, als sie im Wechsel waren. Irgendwie hat nie jemand darüber geredet. Gut, man spricht ja über Themen vielleicht erst dann, wenn sie einen betreffen.
Aber ich hatte immer das Gefühl, es ist ein Tabu – und ich, mit meiner offenen Art, die kein Blatt vor den Mund nimmt und sich selten für etwas geniert, habe ich, kurz nachdem es bei mir losging, damit begonnen, alle in meinem Umkreis darüber zu informieren. Warum auch nicht? Mit 13 habe ich kichernd meinen Freundinnen erzählt, dass ich meine Tage das erste Mal bekommen habe. Und jetzt mit 45 informiere ich mein Umfeld selbstbewusst darüber, dass ich im Wechsel bin.
Am Beginn der Wechseljahre: Was Frauen erwarten dürfen
Mir geht es ja, wie gesagt, besser als je zuvor. Trotzdem finde ich es nur fair, wenn mein Umfeld darüber Bescheid weiß, vielleicht werde ich ja noch zu einer Hormonbestie, mit der man vorsichtig umgehen muss, weil einem sonst der Kopf abgerissen wird. Die Resonanz war von Frauen wie Männern gleich: Sie waren alle durchwegs interessiert, wie das so ist.
Ich stehe ganz am Anfang, aber eines ist sicher: Die Wechseljahre sind das Normalste der Welt. Wir Frauen müssen da alle durch, sollten offen darüber sprechen und uns gegebenenfalls auch von unserem Umfeld Rücksicht in einer Zeit erwarten dürfen, die belastend sein kann. Sie kann aber auch wunderschön und bereichernd sein. Ich bin gespannt, was mich alles noch erwartet.
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