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Wechseljahre beim Mann

Der Menopausen-Clown lässt die Hosen runter

Was der Mann mit dem Latexhandschuh vorhatte, war von Anfang an klar: Zeit für eine Vorsorge­untersuchung. Und dann war da noch so ein Gespräch über die Geschlechter.

„Ich mach mich dann mal vom Acker“, sagte ich zu meiner Frau.
„Wo gehst hin?“
„Na ja, weißt eh, zum ... Check.“ Ich zeigte Lena den Mittelfinger und stieß damit dreimal in die Luft.
Meine Frau kicherte. „Na, dann. Viel Spaß.“

Der Arzt meines Vertrauens, wir sind per du, bezeichnet sich als Spezialist für Männergesundheit. Das klingt freundlicher als Urologe. Dumpfe Phonetik, das Wort ist immer konnotiert mit einem Latexhandschuh.

Ich kam also in seine Privatpraxis, hell eingerichtet, mit abstrakten Gemälden an den Wänden, zerplatzte Fantasien, und das schwarzhaarige Model am Empfang (weißes Hemd, aparte Wimpern) knipste ein Hundert-Watt-Lächeln an. „Sie kommen zur Prostatauntersuchung, richtig?“ Ich schluckte, nickte und sagte: „Ähem, ja, geht Mandeluntersuchung auch? Ich mein, wenn ich mich verkehrtrum auf den Tisch leg.“ Sie dachte kurz nach. „Der Herr Professor wird Ihnen das schon erklären.“

Der Professor mit den Pianistenfingern

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So war's dann auch im Behandlungsraum eins. Der Herr Professor begrüßte mich mit einem kräftigen Händedruck. Mir fiel auf: Er hatte abnormal lange Finger, die er beim Reden in Wellen bewegte. Wie ein Konzertpianist, der sich fürs Klavierspielen aufwärmt. Wir redeten über Bücher und das milde Wetter; der Smalltalk diente offensichtlich der Entspannung.

„Also gut, jetzt ziehst dich bitte aus und legst dich dahin“, sagte der Arzt und wies auf eine weiße Liege, auf der ein Einwegpapierhandtuch drapiert war. Okay. Hosen runter. Ich kam mir ein bisschen vor wie am Flughafen von Bogotá, wo sie einen vor der Ausreise in ein Nebenzimmer schieben und kolumbianische Kontrollen am Rektum vornehmen. „Brauchst dich nicht schrecken“, sagte der Herr Professor, „nur ein wenig die Beine zum Brustkorb hin anwinkeln.“ Eh.

„An dieser Stelle kommt das mit dem Handschuh?“, fragte ich. Meine hohe Stimmlage und das Timbre der Angst amüsierten ihn. „Ohne Handschuh wär's eher unangebracht“, sagte er, „und jetzt tief ausatmen.“ Nach ein paar Sekunden war die peinliche Sache ausgestanden, und ich durfte mich ankleiden. „Alles in Ordnung. Ich schreib dir noch eine Überweisung zur Koloskopie, die machen wir in zwei Wochen unter einer kurzen Narkose, du spürst gar nichts.“

„Krieg ich da Propofol wie der Michael Jackson?“, fragte ich.
„Ja“, sagte der Urologe. „Du wirst aber wieder aufwachen.“

Sinkender Testosteronspiegel, überall lauert der Tod

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Na dann. Alles klar. Mit 51, habe ich auf Wechselweise gelesen, muss man sich notgedrungen intensiver um seinen Körper kümmern, auch als Mann. Ärztliche Kontrollen, Hormone und so weiter. Andropause. Testosteron. Ab zwanzig verringert sich die Produktion des männlichen Geschlechtshormons durchschnittlich um ein bis zwei Prozent pro Jahr. Ich rechne kurz nach. Im schlechtesten Fall ist das ein Abfall um 62 Prozent. Ob man das mit einem Boxtraining oder ein paar Jean-Claude-Van-Damme-Filmen wieder ins Lot bekommt, muss ich ausprobieren.

Störungen aller Art. Biochemische Verwerfungen. Überall lauert der Tod. Ich wollte vom Internet wissen, ob es auch eine Untersuchung gegen das Schnarchen gibt, bin dann aber bei der Recherche eingeschlafen. Unter uns: Ich träume in letzter Zeit nicht mehr von Geschlechtsverkehr mit meiner Frau und auch anderen, sondern von Schlangen. Das muss ein Zeichen sein! Dass sich die Jugend aus mir herauswindet. Es vipert in mir, es züngelt das Alter, und ich kann nichts dagegen tun. Ziemlich vertrackt, alles im Argen. Götterdämmerung.

Sinkender Fun-Faktor und ein Gespräch mit zwei Feministinnen

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Als Menopausenclown ist es meine heilige Aufgabe, die Frauen in den Wechseljahren zu bespaßen. Ich kenne aber keine Witze, die ohne Shitstorm auskommen. Ich bin grundsätzlich ein ernster Mensch, der sich lieber mit den Buchstaben verständigt als mit den Skandalpredigern in den asozialen Medien.

Letztens hat es mich im wahren Leben und beruflich in ein Delikatessengeschäft verschlagen; dort saßen zwei Frauen. Conny. Helga. Ein Duo aus gestähltem Feminismus. Als Mann muss man da aufpassen, was man sagt. Jede Silbe kann dir im Mund umgedreht werden wie eine Gewehrkugel.

Die Damen waren alle erfolgreich und kampfeslustig. Ich gab mich zu erkennen: Fürchtet euch nicht, ich bin der Menopausenclown. Ich will nur die andere Seite verstehen, das Penislose.

Sie nahmen mich an die Kandare. Die Conny gleich mit erhobenem Finger, fast wie der Urologe. Männer, ha! Stellen sich alles so leicht vor, papperlapapp. Wir tranken Rotwein vom Weingut Hagn. Ich verteidigte die Männlichkeit wie ein Stier, wo der Torrero am Ende dann doch immer gewinnt, aber wurscht. Der Kellner brachte getrüffelte Salami und einen Käse, der nach Füßen roch.

Der Unterschied zwischen Männern und Frauen

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„Bitte bedenkt“, sagte ich, „Männer haben's auch nicht leicht. Sinkende Libido, Konzentrationsstörungen, der ganze Andropausenscheiß halt.“ Die Helga fasste das als Frontalangriff auf und holte aus zum Monolog wie bei einem Faustschlag. „Und was sollen wir sagen, ha? Das Leben ist voller Ungerechtigkeiten zwischen Männlein und Weiblein und alldem dazwischen. Als Teenager müssen wir Frauen uns jeden Monat mit dem Thema Blut beschäftigen. Wir müssen Tampons kaufen, und wenn die Regel da ist, brauchen wir Schokolade, am besten eine ganze Tafel. Zwei Tage lang haben wir Bauchkrämpfe und schlechte Laune. Dann nehmen wir die Pille, bis uns wer sagt, dass es genau das ungesündeste Präparat ist, das wir verschrieben bekommen haben. Weg damit.

Als Option wäre da noch die Spirale, auch mit unschönen Nebenerscheinungen verbunden. Wir setzen alles ab, werden schwanger und freuen uns über das Baby, dieses wunderbarste Geschöpf der Welt. Weniger freuen wir uns über die zwanzig Kilo Mehrgewicht, die mit dreimal Yoga auch nicht superschnell weggehen. Dem nicht genug, schlittern wir mit Mitte oder Ende vierzig in den Wechsel. Die Menopause dauert bei Frauen im Schnitt 6,5 Jahre. Das sind 2.314 Tage in einem Gefängnis aus Merkwürdigkeiten. Du schwitzt, die Hormone spielen dir Streiche, alles steht Kopf. Und du, mein Lieber, beklagst dich über ein paar unruhige Stunden? Dein Ernst?“

Der Wortschwall verebbte, es war ganz still. Wo sie recht hat, dachte ich und beglich die Rechnung. Dem Menopausenclown fehlten die Worte.  

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