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Christa Bleyer: "Mein erster Gedanke morgens? Jö, ich bin noch da."

Sechs Krebsdiagnosen konnten Christa Lebensmut und Humor nicht nehmen. Dafür wurde sie bei der „Pink Ribbon“-Gala 2022 als Frau des Jahres ausgezeichnet.

Meine erste Krebsdiagnose erhielt ich 1996 im Alter von 39 Jahren. Ich weiß es noch genau: Am Gang saßen drei Frauen und ich hörte unweigerlich zu, wie sie darüber sprachen, dass ihre Männer gegen eine Entfernung der Gebärmutter seien, weil sie dann „keine richtigen Frauen“ mehr wären.  Das machte mich nachdenklich. Als der Arzt kam, erklärte er, dass es leider nicht gut aussähe und ich Gebärmutterhalskrebs hätte. Bis zu diesem Zeitpunkt kannte ich niemanden, der Krebs hatte.

Es war ein Schock. Ich dachte an das Gespräch der Frauen am Gang und fragte mich – und meinen Mann – nun auch, ob ich keine „richtige Frau“ mehr sein würde, wenn ich der Entfernung der Gebärmutter zustimmte. Mein Mann reagierte ohne zu zögern: „Die Hauptsache ist doch, dass du gesund wirst“, sagte er. „Und natürlich bist du dann noch eine Frau! Ich schlafe ja nicht mit einer Gebärmutter.“ Da lachten wir beide erstmals. Wir sprachen lange über die Vorteile und Nachteile. Für uns waren die Nachteile: kein Sex für sechs Wochen, kein Schwimmen, Narben. Die Vorteile: nie wieder verhüten und jederzeit auf Urlaub fahren, ohne auf den Menstruationsrhythmus Rücksicht nehmen zu müssen. Und vor allem: die Chance, wieder ganz gesund zu werden!

Meine Brust war noch da

Es vergingen viele Jahre, und für mich war das Thema Krebs eigentlich abgeschlossen. 2003 spürte ich Schmerzen in der linken Brust. Ich dachte an einen Muskelkater, denn ich arbeitete damals ehrenamtlich bei der Becherrückgabe auf der Donauinsel, und das war körperlich anstrengend. Also ging ich zu meiner Hausärztin, um mir ein Schmerzmittel verschreiben zu lassen. Sie hingegen schickte mich schleunigst zur Mammografie. Brustkrebs. Zwei Tumore an einer Stelle in der linken Brust. „Bitte vereinbaren Sie einen raschen Termin mit ihrem Gynäkologen.“ Mir blieb die Luft weg. Ich hatte Glück und bekam für den nächsten Tag einen Termin. Einen weiteren Tag später wurde ich operiert. Als ich wach wurde, schaute ich nach, ob meine Brust noch da wäre. War sie. Und ich freute mich sehr. Es folgte eine mehrwöchige Strahlentherapie.

Am seidenen Faden

2006 war mein Mann auf Kur, meine Tochter und ich besuchten ihn gegen Ende seines Aufenthalts. Mir ging es nicht gut, ich fühlte mich schwindlig, erschöpft, schwach. Kurz nach unserer Rückkunft brach ich eines Morgens im Badezimmer zusammen. Zum Glück lag die gesamte Wäsche meines Mannes noch am Boden – so landete ich sanft. Ich fuhr ins Spital und die Stationsschwester organisierte für mich ein Notbett am Gang.

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Nach mehreren Untersuchungen entstand ein ziemlicher Tumult um mich herum. Ich wurde in ein Einzelzimmer gebracht und bekam zwei Tabletten – heute weiß ich, dass es Beruhigungstabletten waren. Und dann teilte man mir die Diagnose mit: Krebs zwischen Magen, Zwölffingerdarm, Bauchspeicheldrüse und Galle. Und Darmkrebs auch noch. Das zog es mir den Boden unter den Füßen weg. Um mich drehte sich alles, ich bekam Schüttelfrost und brach zusammen. Zwei Tage lang wurde ich „aufgepäppelt“. Ich wollte unbedingt vor der OP kurz nach Hause und in die Arbeit, um ein paar Sachen zu regeln. Ich wusste ja, wie ernste die Situation war. Zwei Tage später wurde ich operiert, zehn Stunden lang.

Winnie Pooh-Pflaster auf der Wunde

Siehe da: Ich bin aufgewacht – und hatte Hunger. „Nur einen Löffel“, mahnte die Oberärztin. Ich kostete vom Vanillepudding, er schmeckte grauenhaft. Meine Enkelin Emily aß den Rest. Von meiner Bettnachbarin bekam ich einen Schluck Himbeersaft. Als die Oberärztin ins Zimmer kam und die leere Puddingschale sah, traf sie beinahe der Schlag. Sie dachte ich hätte alles aufgegessen und war sehr besorgt, was das postoperativ anrichten könnte.  

In diese Zeit fiel mein 50. Geburtstag. Schon in der Früh bekam ich die ersten Blumengrüße ins Spital. Dann kam mein wunderbarer Mann mit einem besonderen Geburtstagsgeschenk. Wir waren zu unserer Silberhochzeit in Mauritius gewesen, im Hotel gab es einen Juwelier, und ich hatte mich in einen außergewöhnlichen Ring verliebt. Der Preis war leider weit außerhalb unseres Budgets. Aber mein Mann hatte den Ring nachmachen lassen, und jetzt stand er vor mir und überreichte ihn mir. Die Krankenschwestern brachten eine Torte (die ich leider nicht essen durfte) und alle sangen „Happy Birthday“. Ein Wahnsinn. Emily klebte mir ein Winnie Pooh-Pflaster auf die riesige Wunde, damit sie schneller heilt. Das war so berührend.

Nach ein paar Wochen begann dann die Chemotherapie. Zu Beginn waren 26 Zyklen geplant, aber nach 16 mussten wir abbrechen, weil ich meine Finger und Zehen nicht mehr spürte. Alle waren sich einig, dass „es reicht“ und ich auf weitere Chemos verzichten kann.

Plötzlich im Wechsel

2007 musste ich mich erneut einer brusterhaltenden Operation und Strahlentherapie unterziehen. Und wieder freute ich mich, dass meine Brüste erhalten blieben. Doch nur zwei Jahre später wurde wieder „etwas“ entdeckt, diesmal in der Lunge. Ich war dann bei einem echten „Kapazunder“ in der Privatordination und werde das Gespräch nie vergessen. Er: „Wann war die OP?“ Ich: „Welche?“ Er: „Krebs.“ Ich: „Welcher?“ Er: „Brust.“ Ich: „Welche? Gott gab mir zwei.“ Da kam er mit seinem Kopf hinter dem Computer hervor. Zwei Tage später wurde ich operiert.

Lange hatte ich keine Ruhe: 2015 wurden bei einer Kontrolluntersuchung in der rechten Brust zwei Tumore, in der linken Brust einer und je einer auf den Eierstöcken gefunden. Wieder Operation, beide Brüste und beide Eierstöcke wurden entfernt und von einem Tag auf den anderen war ich im Wechsel. Das und die anstrengende Chemo setzten mir sehr zu, ich kollabierte oft.

Trotz alle dem: In all den Jahren meiner langen „Krebsgeschichte“ hatte ich großes Glück. Glück, dass alles immer so schnell ging: Kaum war eine Diagnose da, folgte auch schon die Operation und die Therapie. Ich kam nie viel zum Nachdenken. Und ich hatte großes Glück mit meiner Familie, meiner Tochter Marie-Christine, meinen Enkeln, meinem mittlerweile leider verstorbenen Mann Kurti und mit meiner besten Freundin Thes, die viele bange Nächte mit mir verbrachte. Ich bin dem Krebs sogar ein wenig dankbar, weil ich durch die Krankheit so viele liebe und wertvolle Menschen kennengelernt habe, die mir sehr viel bedeuten.

Mut machen, Humor behalten

Schon 2020 habe ich beim ersten „Mutmacherinnen“-Buch zum Thema Brustkrebs mitmachen dürfen. Und auch beim neuen, zum Thema „Unterleibskrebs“ bin ich wieder dabei. Und ich käme ich wohl noch für weitere in Frage. Aber Ironie beiseite, ich möchte durch meine Teilnahme anderen Betroffenen gerne vermitteln, dass das Schicksal oft wirklich grausam zuschlägt, aber man immer noch – und immer wieder – Gründe findet, um das Leben so gut wie möglich zu genießen. Bis heute sehe ich das Glas halb voll und nicht halb leer. Ja, man muss auf seine Grenzen achten und akzeptieren, dass manches nicht mehr geht, aber Vieles geht immer noch! Schmerzen und Neuropathien setzen mir leider sehr zu. Aber jeden Tag in der Früh, wenn ich aufwache, ist mein erster Gedanke: „Jö, ich bin noch da.“

Christas Geschichte stammt auszugsweise aus dem neuen Buch „Mutmacherinnen – Dem Krebs ein Lächeln entgegenhalten“ mit Texten von Doris Kiefhaber und Fotos von Sabine Hauswirth. Zwölf Frauen haben sich entschlossen, sehr offen mit ihrer Erkrankung umzugehen. Sie wollen anderen, die vielleicht gerade selbst eine schwere Zeit durchleben, neue Hoffnung schenken. Ihre Geschichten könnten nicht unterschiedlicher sein – doch jede berührt.

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